| zur
Startseite |
||
| Wolfsgalgen |
||
Der Wolfsgalgen steht an der Ecke Klosterweg/Ginsterweg in Oestringfelde in der Stadt Schortens.
Der Eichenbaum mit einer Gedenktafel steht dort an einer viel
befahrenen Straße ohne beachtet zu werden. Es kam auch schon vor,
dass die umliegenden Pflanzen ihn zudeckten. Ungeachtet dessen handelt
es sich um eine Stätte zur Erinnerung an ein besonderes Ereignis
von vor fast 270 Jahren. Es gibt wenige Informationen zu dieser
Geschichte. Früher war diese Gegend nicht bebaut und es dehnten
sich zwischen den seinerzeitigen Kirchdörfern Schortens und
Sillenstede und der Stadt Jever weite Heide- und Moorflächen aus.
Einige Flächen wurden für die Bebauung den Orten
Heidmühle und Grafschaft zugeführt. Das Kerngebiet Oestringen
war sehr dünn besiedelt. Dürre Heideflächen gaben den
Schafherden nur wenig Nahrung. Das unwegsame Moor bot auch keinerlei
wirtschaftliche Nutzung. Trotzdem war die Schafzucht eine wichtige
Nahrungsgrundlage. Allerdings wurde die Mühe oft getrübt
durch den noch vereinzelt vorkommenden Wolf. Zum Schutz der eigenen
Lebensgrundlage wurde der Wolf bekämpft. Näheres dazu, wie
dieser Kampf aussah, mit welchen Methoden, Mechanismen und
Schutzmaßnahmen ist nicht überliefert. Im Klosterhof von
Oestringfelde wohnte der fürstliche Wildschützer Hans
Richter, zusammen mit seinem Sohn und Vertreter (Adjunkt) Anton. Nun
hörte dieser in der Mondnacht vom 19. zum 20. November des Jahres
1738 das Geheul eines Wolfes in der Gegend des upjeverschen Forstes und
der umliegenden Ländereien. Anton trat zur Hintertür mit
einem geladenen Gewehr hinaus und sah unweit des Klostergutes den Wolf.
Mit einem gezielten Schuss brachte er den Wolf zur Strecke und
hängte ihn zur Besichtigung an einen Ast einer starken Eiche am
Wege zwischen Schortens und Jever, dem heutigen Klosterweg, auf. Es gab
zwar vereinzelt Zweifel, ob es eventuell nicht ein Wolf, sondern nur
ein streunender großer Hund gewesen ist. Allerdings gab es danach
keine Berichte mehr über Wölfe in Oestringen. Der besagte
Eichenbaum wurde fortan auf der Heide zu einer Landmarke und bekam im
Volksmund den Namen „Wolfsgalgen“. Die umsichtige Tat von
Anton Richter fand die Anerkennung des Fürsten und wurde von der
Anhalt-Zerbster Kammer in Jever, verbunden mit einer Prämie in
Höhe von vier Talern, ausgesprochen; Schriftstücke dazu sind
noch vorhanden. Die knorrige Eiche hat noch viele Jahrzehnte dort
gestanden. In der gesammelten geographischen Beschreibung der
Herrschaft Jever wird noch 1796 vom Magister Braunsdorf der
„Galgen“ erwähnt. So um das Jahr 1800 ist der Baum
abgestorben und verfallen. Später wurde zum Gedächtnis
ein neuer Galgen aufgestellt und dann noch einmal ersetzt. Bis zum Jahr
1908 stand nun dort ein Galgen. Danach geriet der Platz in
Vergessenheit und das Gelände wurde einer anderen Nutzung
zugeführt. Erst 1931 nahmen sich die „Freunde des
Altertums“ in Schortens der Angelegenheit an. Deren rühriger
Leiter, der Bahninspektor Karl Bock, ergriff die Initiative und es
wurde am Jahrestag im Jahr 1931 der dann vierte Galgen, diesmal mit
einer Erinnerungstafel auf einem Findling, aufgestellt. Ein neuer
Galgen wurde noch einmal 1977 auf Anregung der Heimatfreunde errichtet
und am 30. August 1998 wurde in einer würdigen Festveranstaltung
der sechste Galgen von der Gemeinde Schortens und den Heimatfreunden
aufgestellt.![]() links oben der Wolfsgalgen an der Ecke Klosterweg/Ginsterweg ![]() der Wolfsgalgen ![]() Gedenktafel auf einem Findling am Wolfsgalgen Der Hauptlehrer und Organist Johann Christian Dietrich Schütte, der von 1868 bis 1879 auch als Pädagoge im Jeverland wirkte, hat ein Gedicht (veröffentlicht im „Album Oldenburger Dichter“, herausgegeben von Franz Poppe) über den Wolfsgalgen verfasst: Der letzte Galgen
Am Wege, der von Jever zum nahen Schortens geht, gar einsam hinter´m Walle ein alter Eichbaum steht. Im morschen Stamme rinnet kein Lebenstropfen mehr. Ein Ast ist ihm geblieben; sonst ist er kahl und leer. Und doch bleibt er verschonet von Axt und Menschenhand: Er ist der letzte Galgen in unserm Heimatland. An seinem knorr´gen Arme, den lang er ausgestreckt, ist vor einhundert Jahren ein Bösewicht verreckt. Ein Räuber war´s, ein Mörder, ein arger Lämmerdieb, der in der ganzen Gegend sein schnödes Handwerk trieb. Zum Schrecken der Bewohner blieb wochenlang er dort, und täglich fand man Spuren von neuem Raub und Mord. Bei Tage hielt er kläglich im Dickicht sich versteckt. Doch endlich ward der Arge vom Späheraug´entdeckt. Am Fuße jenes Baumes hat man ihn abgefasst, betäubt mit Knüttelschlägen gehänget an den Ast. Kein Urtheil ward gesprochen, als man den Sünder fing. Kein Glöcklein ward geläutet, als er zum Tode ging. Er wurde stracks gelynchet ohn´Zeugen und Gericht: Ein Schäfer war der Henker, ein Wolf der Bösewicht. Seitdem ließ sich im Lande kein Isegrim mehr seh´n doch blieb im Flug der Zeiten Sein knorr´ger Galgen steh´n. Der Hauptlehrer Schütte leitete von 1868 bis 1879 in Javenloch im Wangerland die kleine Volksschule der Schulacht Friedrich-Augusten-Groden. Er war im Laufe seines Berufslebens in mehreren Orten eingesetzt und war über den Beruf hinaus als Organist tätig. Geboren wurde Schütte am 19.01.1834 in Zetel. Gestorben ist er in Langwarden. Er war als Lehrer tätig in Stuhr (1855), in Oldenburg an der Heiligen-Geist-Schule (1856 bis 1864), in Eckwarden (1864 bis 1868) in Friedrich-Augusten-Groden (Javenloch), in Driefel (1879 bis 1890) und in Langwarden/Butjadingen (1890 bis 1901). Daneben verfasste er kleine Beiträge zu heimatkundlichen Themen, darunter auch das schöne Gedicht über den Wolfsgalgen in Oestringfelde. In Anerkennung seiner Verdienste hat ihm der in Oldenburg erscheinende General-Anzeiger nach seinem Tod am 18. April 1901 folgenden Nachruf gewidmet: ![]() (das Foto wurde uns freundlicherweise vom Urgroßneffen Jens-Peter Schütte zur Verfügung gestellt) In Anerkennung seiner
Verdienste hat ihm der in Oldenburg erscheinende
General-Anzeiger nach seinem Tod am 18. April 1901 folgenden Nachruf gewidmet: (Sie können durch Anklicken ein grösseres Foto erhalten)
(Quellen: Jens-Peter Schütte, Urgroßneffe von Dietrich Schütte, Stadtarchiv Schortens (Martin Noormann) und
Jeversches Wochenblatt vom 2. November 2009) |
||
externe Links: (siehe Hinweis) Heimatverein Schortens |
||
zur Startseite |
||