zur Startseite

Wasserturm in Hohenkirchen

Weithin sichtbar steht der Wasserturm am südwestlichen Rand von Hohenkirchen, in Landeswarfen. Auf der Ausfallstrecke L 809 nach Altgarmssiel steht er markant durch sein Klinkermauerwerk. Zu sehen ist er auf der rechten Seite, umgeben von Weideflächen und einigen Höfen und Häusern. Er ist zu einem Wahrzeichen von Hohenkirchen geworden.

In der Zeit, bevor es den Wasserturm gab, hat sich die Bevölkerung mit Wasser aus Zisternen und Fässern versorgt, welches sie vom Regen von ihren Dächern ableiteten. Es war das nördliche Jeverland, in dem die Bevölkerung sich so mit Frischwasser versorgte. Davor, insbesondere aber in Jever und einigen Dörfern im Jeverland, gab es die Wasserversorgung durch die Pütt. Diese und auch die Versorgung mittels aufgefangenen Regenwassers von einem Dach brachten kein sauberes Wasser. Das Wasser war vielfach mit Bakterien versetzt, verdreckt und von zu schlechter Qualität für einen gefahrlosen Verbrauch.

Es wurde über Abhilfe nachgedacht. So kam im November des Jahres 1932 das damalige Reichsbauamt von Wilhelmshaven auf die Idee, vom Wasserwerk in Feldhausen eine Leitung mit Trinkwasser bis zu einer zentralen Stelle im nördlichen Jeverland zu legen. Von dieser Stelle aus sollten weitere Verteilungen zu den Verbrauchern erfolgen. Damit der nötige Wasserdruck für die dann zentrale Verteilung möglich wurde, sollte ein Turm, in dem das Wasser gespeichert werden sollte, gebaut werden. Der Speicherbehälter sollte erhöht in dem Turm eingefügt werden. Durch diese erhöhte Lagerung des Wassers sollten für die beabsichtigten, unterirdisch zu verlegenden Leitungen die nötigen Kräfte für den Wassertransport erzeugt werden. Eine erhoffte stetige Abnahme der Verbraucher sollte dann für einen ständigen Wassertausch im Speicher sorgen und somit eine hohe Wasserqualität gewährleisten. Das Wasser sollte von den vielen freien Kapazitäten des  Wasserwerkes in Feldhausen - ca. 1,5 km nordwestlich von Schortens an der L814 gelegen - abgezweigt und über ca. 48 km in Rohren transportiert werden. Das Wasserwerk war damals eines der modernsten Werke seiner Art in Deutschland  und gewährleistete eine gute Wasserqualität; auch für die Anlieferung bis zum Wasserturm.

Die Orte Hooksiel, Horumersiel, Schillig, Hohenkirchen, Altgarmssiel, Ziallerns, Tettens und die umliegenden Dörfer, einige Molkereien, die Marineanlagen in Schillig und Einzelhöfe sollten beliefert werden. Da für eine gute Verteilung überall ein bestimmter Wasserdruck nötig war, wurde über einen Standort an einer günstigen Stelle nachgedacht. Die Wahl für das Großprojekt von ca. einer halben Millionen Mark fiel auf Landeswarfen in der Nähe von Hohenkirchen, auf einer ca. 6 Meter hohen Wurt. Die Wurt ermöglichte einen noch höheren Stand des Wasserbehälters und damit einen noch größeren Druck für die Wasserverteilung. Mehrere Verantwortliche um den Leiter des Reichswasserwerks, Georg Lührs, versuchten der betroffenen Bevölkerung, das Projekt in zahlreichen Versammlungen und Sitzungen näher zu bringen.

Wasserturm Hohenkirchen  Wasserturm Hohenkirchen
Der weithin sichtbare Wasserturm auf der Straße nach Altgarmssiel

Die Zeit für dieses Projekt war günstig; im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit wollte die Reichsregierung für zahlreiche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sorgen. Da kam das Projekt mit dem Wasserturm gerade zur rechten Zeit. Es wurde nach Mitteilung der NSDAP-Kreisleitung Friesland mit ca. 13.000 Tagewerken gerechnet, die – laut der NSDAP-Propaganda – zahlreichen deutschen Volksgenossen neue Arbeitsmöglichkeiten geben sollte. Hinsichtlich der monetären Seite sollten die Molkereien, die Landesbrandkasse und die Rentenbank-Kreditanstalt dem Reichsfinanzministerium bei der Finanzierung helfen.

Arbeiter beim Bau des Wasserturmes in Hohenkirchen
Arbeiter beim Bau des Wasserturmes in Hohenkirchen (Foto-Urheber unbekannt)

Am 31. Januar 1934 traf sich eine Preiskommission, es waren die Herren Amtshauptmann Ott aus Jever, Oberbauräte Wohlschläger und Wiegand und Baurat Lehman aus Wilhelmshaven. Sie sichteten und bewerteten die eingegangenen Arbeiten zum vorher ausgeschriebenen Architektenwettbewerb. Von den elf Entwürfen kamen zwei in die engere Wahl. Die Entscheidung fiel dann zugunsten des Entwurfes von dem Hamburger Architekten Fritz Höger. Er gilt heute als einer der führenden Vertreter des norddeutschen Klinker-Expressionismus. Von Höger stammen z. B. auch die Entwürfe für die Rüstringer „Burg am Meer“ (das Rathaus vom jetzigen Wilhelmshaven), für den Wasserturm auf Norderney und die ev. Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin-Wilmersdorf. Die Preiskommission vergab mit der Begründung, es handele sich um einen künstlerisch wertvollen Entwurf, eine Siegprämie von 300 Reichsmark. Mit der Ausführung wurde das Wilhelmshavener Bauunternehmen H. Müller beauftragt. Müller hatte das günstigste Angebot in Höhe von 35.600 Reichsmark abgegeben.

Am 21. März 1934 wurde bei einer großen Kundgebung und mit viel Pomp und Trara der erste Spatenstich durch Staatsminister Pauly und Amtshauptmann Ott gefeiert. Entsprechend den seinerzeitigen nationalsozialistischen Reden wurde der Turm als „Mahnmal für unser Volk am Meer“ bezeichnet und an Gedenktagen und großen Festtagen sollte oben auf der Plattform ein Feuer entzündet werden. Die Flammen sollten lodern und mahnen weit übers Land und Meer.

Der Turm ist ca. 30 Meter hoch und seine Außenwände verjüngen sich über sieben Etagen nach oben. 28 Eisenbetonpfähle von je zehn Meter Länge und mit einem Durchmesser von jeweils 35,5 Zentimeter gründen das Bauwerk. Ein einzelner Pfahl hat eine Tragfähigkeit von bis zu 36.770 Kilogramm. Die Träger für den Wassertank ragen an allen vier Gebäudeecken heraus. Die Außenwände sind zur Auflockerung gestaffelt und mit Bockhorner Klinker gemauert. Im Erdgeschoss sind bogenförmige Nischen eingebaut. Der Turm wirkt durch seine äußere Gestaltung wuchtig. Der Innenraum des Wasserturmes – ohne den Bereich für den Tank – hat einen Grundriss von neun mal neun Meter und erstreckt sich über drei Etagen. Der innenliegende Wassertank lagert in den vier oberen Etagen und hat ein Fassungsvermögen von ca. 180.000 Litern. Zur Aussichtsplattform führen 130 Stufen.

Das Reichsbauamt Wilhelmshaven hat den Wasserturm am 6. August 1934 in Betrieb genommen. Gegen eine Gebühr von zehn Reichspfennig konnte die Aussichtsplattform besucht werden. Der Wassermesserableser Ricklefs wurde für Führungen abgestellt.

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband übernahm am 2. März 1960 den Turm und im Laufe der Jahre wurde diese Art der Wasserversorgung durch technische Neuerungen überflüssig. Der Hohenkirchener Fotograf und Bildjournalist Fritz Tuhy kaufte das Gebäude am 11. Februar 1982 für Ausstellungen und zur Präsentation seines umfangreichen Fotoarchivs. Umbaumaßnahmen waren geplant und es sollte ein Ort als Treffpunkt für Kunst und Kultur im Wangerland entstehen. Leider verstarb Tuhy bereits im Jahr 1992 und so wurde nichts aus diesem Plan. Heute wird der Turm als Funkmaststandort für den Mobilfunk verwendet, eine Begehung und Besichtigung ist nicht möglich.

Quelle:
- 100 Jahre Jeverland,
   Herausgeber Helmut Burlager,
   Brune-Mettcker Druck- und Verlagsgesellschaft mbH, Jever,
   Beitrag von Wolfgang Koppen
- Schule Hohenkirchen
- Wikipedia











externe Links:

(siehe Hinweis)

   



zur Startseite