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| Warfen
und Deiche sind an der Nordseeküste und an
Flussläufen
künstlich von Menschenhand geschaffene Befestigungen gegen die
Unbilden des Meeres, es sind Bauwerke gegen die Sturmflut, gegen hohes
Wasser, wenn ungünstiges Wetter ist und eine besondere
Stellung der
Gestirne Sonne und Mond die Flut als ein Teil der Gezeiten
höher als normal steigen oder aber Schneeschmelze und Regen
die
Flüsse überlaufen lassen. Warfen
und Deiche sind
obertägig sichtbare elementare Bestandteile der
Kulturlandschaft in der
norddeutschen Küstenregion. Warfen Wurten, auch Warften, Warfen, Wierden oder Wieden sind eine spezielle Siedlungsform in den hochwassergefährdeten Gebieten an der Nordseeküste und an den Unterläufen der großen Flüsse. Auf einer Wurt wurden Bauwerke errichtet, wie eine Kirche, ein Haus oder ein Einzelgehöft. Wurten mit mehreren Gehöften sind Gehöftwurten und es sind auch ganze Dorfsiedlungen auf einer Wurt entstanden. Es handelt sich dann um ein Wurtendorf. Seit dem 3. Jahrhundert vor Christi sind diese Hügel in den nordwestdeutschen Marschgebieten, in der Nordsee und auf Halligen entstanden, lange vor dem Bau der ersten Deiche, der einzige wirksame Schutz gegen das stürmische Wasser. Bereits der römische Chronist Plinius berichtete bei einer Seereise in den Norden vor 2.000 Jahren über das Volk der Chauken, das entlang der Nordseeküste lebte. Der Begriff Wurt ist wahrscheinlich von Werder, die ursprüngliche Bezeichnung für Insel abgeleitet. Vielfach befanden sich in den Gegenden normale Siedlungen, die dann aber durch einen steigenden Meeresspiegel überflutet und zerstört wurden. Nun wurden dem Siedlungsschutt Stallmist und Klei zugegeben und es entstanden die ersten kleinen Hügel. Besonders in Friesland und dort entlang der Nordseeküste, im Wangerland sind viele Wurten anzutreffen. Viele Kirche stehen dort auf einer Wurt, es gibt aber auch eine Menge Dörfer, wie z. B. Altgödens, Bassens, Förrien, Gottels, Herzhausen, Reiseburg, Strakens, Stumpens, Utlande, Westrum oder Wüppels. Besonders erwähnenswert ist das historische Wurtendorf Ziallerns. Ähnlich einem Rundlingsdorf ist ein Wurtendorf aufgebaut. Kreisförmig stehen die Gebäude auf dem Hügel und nach außen, zum Fuß der Wurt, neigt sich die Stirnseite des Gebäudes. Von der Mitte der Wurt ausgehend verlaufen nach außen, wie bei einem Ring, Wege, die außerhalb der Wurt zu Feldwegen werden. Um die Wurt führt ein kreisförmiger Weg. In einer Vertiefung innerhalb der Siedlung wurde Regenwasser gesammelt, zur Versorgung der Bewohner mit Trinkwasser. In dieser teichartigen Vertiefung und aufgrund des besonderen Aufbaues dieses Hügels versickerte das Wasser nicht sofort, sondern verblieb schwammartig an dieser Stelle. In den Namen von einigen Dörfern finden sich Hinweise auf eine Wurt, so in Krullwarfen, Neuwarfen, Waddewarden, Warfe, Purkswarfe, Landeswarfen oder Moorwarfen. Die Warfen sind ein Denkmal des Ringens von früheren Generationen mit dem Meer und halten eine Fülle von Erkenntnissen bereit. Es sind die feuchten Fundstellen die außergewöhnlich gute Bedingungen für ein Erhalten von organischen Stoffen wie Holz, Leder, Textilien und Pflanzenresten darstellen. Auch lassen sich aus dem Übereinander der verschiedenen Siedlungsschichten zeitliche Reihenfolgen von einzelnen Bauten und Funden ablesen. Im spätmittelalterlichen Siedlungsausbau kommen zu den herkömmlichen Warfen auch erhöhte Wohnplatzgründungen mit verschiedenen Bautechniken wie Pfahlroste oder Erhöhungen aus Hölzern mit zwischenliegenden Sandschichten. Deiche Erst in der Zeit um die erste Jahrtausendwende wurden im nordwestdeutschen Nordseeküstenbereich Deiche angelegt. Vorerst wurden Ringdeiche angelegt, sie wurden um die Wirtschaftsflächen eines Dorfes gelegt, um so die Ernte vor sommerlichen Überflutungen zu schützen. Im Laufe des hohen und späten Mittelalters wuchsen die Deiche dann zu einem durchgehenden System zusammen, wobei auf Ausbauphasen der Seedeichlinie häufig wieder Rücknahmephasen folgten, so vor allem nach den verheerenden Sturmfluten des Spätmittelalters (Jadebuseneinbruch, Heeteeinbruch). Deiche wurden entlang der Küste und von Flussufern angelegt. Mit dem Bau der Deiche ging der Ausbau eines Entwässerungssystems im Hinterland mit Kanälen und entsprechenden Sielen in den Deichkörpern einher. Bei Ausgrabungen konnten mehrere Aufhöhungsphasen sowie die Reste eines hölzernen Klappsiels nachgewiesen werden. Es gibt mittlerweile ein ausgeklügeltes System mit Haupt- und Nebendeichen. Die Deichhöhe und -größe werden bestimmt von der Flutgefahr und der jeweiligen Landschaft. So gibt es an der Küste auch Sommerdeiche, die vor den eigentlichen Hauptdeichen liegen und zum Abhalten von kleinen Sturmfluten gedacht sind. Deiche haben einen besonderen Aufbau und deren Technik wird immer den modernen Erkenntnissen, Bauweisen und Materialien und den neuen Sturmflutgefahren angepasst. ![]() Kirche auf
einer Wurt: links St. Elisabethkirche in Westrum, rechts: St.
Magnuskirche in Sande
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externe Links: (siehe Hinweis) Hochwasser Warft Wurten - Artikel in der Nordwestzeitung (Online) vom 20.03.2008 |
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