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Püttbier

Püttbier 2010 - Artikel aus der Wilhelmshavener Zeitung

Video zum Püttbier 2010

Leben ohne Wasser - das geht nicht und so gab es bereits in der frühen Jungsteinzeit Brunnen. Der älteste bekannte Brunnen in Friesland wurde vom Archäologen Holger Winkler in Schakelhave ausgegraben. Der aus dem 9. oder 10. Jahrhundert n. Chr. stammende Brunnen hat Seitenwände aus Holz und ist im Schlossmuseum Jever ausgestellt.

In Jever wurde seit dem Jahr 1536 mit der Stadtbefestigung und dem Bau von nahe aneinander gebauten Häusern die Wasserversorgung und das Feuerlöschwesen verstärkt. Die neu angelegten Brunnen wurden in Nachbarschaften, den sogenannten Püttachten, betreut. „Pütt“ kommt aus dem Niederdeutschen „Schacht“ bzw. aus dem Lateinischen "Puteus" ( Brunnen) und wurde bereits von den Friesen in ihrer altfriesischen Sprache verwendet. Acht könnte von Obacht abgeleitet sein; gib acht auf die Pütt. Eine Gemeinschaft die auf den Brunnen acht gibt, sorge für die Erhaltung trägt, eine Brunnengemeinschaft, sprich Püttacht.

Die Betreuung bestand in der Wartung und Instandhaltung des Brunnens. Aus alten Püttachtsbüchern geht hervor, dass die Brunnen gereinigt wurden und auch von totem Getier wie Katzen und Hunden befreit werden mussten. Innerhalb der Püttacht wurde ein Brunnenmeister, heute Püttmeister, als Aufseher gewählt. Dieses wurde dann auch in der Brunnenverordnung von Jever aus dem Jahr 1756 vorgeschrieben; ebenso wie die Bevorratung mit Wasser für den Brandfall. Damals gab es 14 Püttachten. 

Etwa ab 1820 wurden die offenen Brunnen durch Pumpen ersetzt. Die öffentliche Wasserleitung kam im Jahr 1928, unabhängig davon wurde die Tradition des Püttbierfestes beibehalten.

Wie in der seinerzeitigen Brunnenverordnung vorgeschrieben, wird auch heute noch der Brunnenmeister am ersten Montag nach Heilige 3 Könige gewählt. So wird das Püttbierfest als Tradition gefeiert, ein geselliges Beisammensein in gemütlicher Runde. Mittlerweile gibt’s ca. 40 Püttgemeinschaften, da in den Neubaugebieten dieses Jahrhunderts ebenfalls zur Pflege der Nachbarschaft neue Gemeinschaften gegründet wurden. Um Mitternacht geht es dann zur Pütt und dort wird nach einem Ritual nach dem Zustand der Pütt geschaut und der neue Püttmeister eingeführt. Der Püttmeister ist für den Zustand und die Pflege der Pütt für das eine Jahr zuständig und organisiert das nächste Püttbierfest. Am nächsten Tag wird ausführlich in der örtlichen Presse über die einzelnen Gemeinschaften und deren Feiern berichtet. Vor nicht all zu langer Zeit war dieses Fest noch eine reine Männersache, Frauen hatten keinen Zutritt. In einigen Püttgemeinschaften ist das noch heute so.

Püttbierfest und Wasserversorgung vor 250 Jahren

Der Artikel wurde uns freundlicherweise vom Schlossmuseum Jever zur Verfügung gestellt.

Historische Wasserversorgung und traditionelles Püttbier in Jever: 

Vor 250 Jahren erhielt Jever eine allgemeine "Püttordnung", in der die Wasserversorgung und die Unterhaltung der öffentlichen Brunnen geregelt wurden. Die Hausbesitzer eines Straßenzuges in der Innenstadt organisierten dies gemeinschaftlich in den sog. "Püttachten".

Traditionell traf man sich einmal im Jahr zum so genannten Püttbier. Dieses Fest wird noch heute, auch nach dem Bau von Wasserleitungen, in Jever gefeiert. In den zum Teil in die Zeit vor 1756 zurückreichenden Püttbüchern wurden nicht nur die nachbarschaftlichen Verpflichtungen festgehalten, sondern oft auch vergnügliche und kuriose Ereignisse geschildert.

Wasserversorgung in Jever

Das "General-Register über die Publiquen Brunnen in der Stadt Jever" von 1781 führt 14 Pütten in der Altstadt an, eine Aufzählung aus dem Jahre 1813 nennt darüber hinaus sechs öffentliche Brunnen in der Vorstadt. In der eng bebauten Siedlung, die 1536 befestigt wurde und Stadtrechte erhielt, war Trinkwasser in ausreichender Menge nur aus Brunnen zu gewinnen. Es genügte nicht, wie auf dem Land, Regenwasser in "Lecktünnen" aufzufangen. Die Bürger Jevers mussten auch Löschwasser für den Fall eines Brandes bereithalten – eine Aufgabe, die ebenfalls den Püttachten zufiel. Sie stellten Kupen zur Verfügung, mit Wasser gefüllte Holzbottiche, die auf einem Schlitten zur Brandstelle gezogen werden konnten.

Durststiller und Rauschmittel

Die Pütten versorgten außerdem die Gewerbetreibenden: Insbesondere die Bierbrauer der Stadt brauchten viel Wasser. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Dünnbier neben Buttermilch das vorherrschende Getränk im Alltag. Ein Grund dafür war die häufig schlechte Trinkwasserqualität – Zeitgenossen warnten immer wieder vor verseuchtem Brunnenwasser. Nach der Einführung von Tee und Kaffee wurde Bier im 19. Jahrhundert zum Genussmittel, das man "in gepflegter Runde" trank. Das sich ausbreitende Vereinsleben etwa, Ausdruck des gesteigerten Selbstbewusstseins bürgerlicher Schichten, bot immer wieder Anlass für Zusammenkünfte, bei denen das Biertrinken eine wichtige Rolle spielte.

Püttbier

"Das Püttbierfest ist für Jever ein Fest, welches an den Carneval der südlichen Länder Europas erinnert." So ein Bericht der Oldenburger Blätter aus dem Jahr 1836. Ursprünglich gab es bei der Zusammenkunft aller Mitglieder einer Püttacht nur Bier, Branntwein und Tabak. Seit dem 19. Jahrhundert aber wird ein größerer Aufwand betrieben, und es werden eigens zu diesem Anlass verfasste Püttlieder gesungen. Das Püttbier dient heute in erster Linie der Traditionspflege, man vergewissert sich der "eigenen" geschichtlichen Identität. Hinzu kommt die Freude der jeverschen Bürger am Feiern, die schon den Püttbucheinträgen vergangener Jahrhunderte entnommen werden kann. Im Püttbuch St.-Annen-Straße zum Jahr 1854 ist zu lesen:

"Ein frohes Püttbier war es heut,
das sei verkündet späteren Leut'."


Seit 1820 wurden die offenen Brunnen durch Pumpen ersetzt. Als dann 1928 die öffentliche Wasserleitung kam, wurde die Tradition des Püttbierfestes beibehalten.

Link:
Püttacht, seit über 150 Jahren Tettenser Gemeinschaft
Püttbuch Wanger Straße von 1920  -  (bitte beachte Hinweis)
  
Küsterspütt-Große Wasserpfortstraße  Kampütte-An-der-Lohne
links: Küsterspütt in der Großen Wasserpfortstraße mit den beiden Figuren Theda und Lumpi - Wasserträgerin mit Hund - als Sinnbild für vergangene Zeiten, als es noch keine öffentliche Wasserversorgung gab und das Wasser mit Joch und Eimern vom Brunnen nach Hause getragen werden  musste. Die Figur Theda soll daran erinnern, dass diese Tätigkeit von Frauen verrichtet wurde.
rechts: Die Kampütte ist die älteste Pütt in Jever und steht auf der Lohne/EckePüttweg
1. Aufschrift-Kuesterpuett 2. Aufschrift-Kuesterpuett neue Tafel auf der Pütt Hinweisschild-Kampütte, zum Vergrößern klicken Sie auf das Foto
Bild 1 und 2 links: alte aufgeklebte Erläuterungen auf der Küsterpütt, entdeckt am 04.08.2006, Bild 3: neue Tafel auf der Küsterpütt
rechts: Hinweisschild an der Kampütte
Ratspuett  Puettacht-Drostenstrasse  Puettacht-Kleine-Burgstrasse  Puettacht-Bremer-Schluessel 
links: Ratspütt, vor dem Rathaus, am Kirchplatz
mitte-links: Püttacht Drostenstraße,  Ecke Am Wall
mitte-rechts: Püttacht Kleine Burgstrasse im Hermann Gröschler Weg
rechts: Püttacht Bremer Schlüssel, auf dem alten Markt, vor der Gaststätte "Pütt"
Ratspuett-Aufschrift-vorne  Puettacht-Drostenstrasse-Schild  Puettacht-Kleine-Burgstrasse-Schild  Puettacht-Bremer-Schluessel-Schild
links: Aufschrift, vorne an der Ratspütt
mitte-links: Schild auf der Püttacht Drostenstraße, mit der Angabe der Wasserqualität
mitte-rechts: Schild auf Püttacht Kleine Burgstrasse
rechts: das Schild auf der Pütt
Ratspuett-Aufschrift-inten  
links: Aufschrift, hinten an der Ratspütt


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