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Pfauennachwuchs
 

Im Schlossgarten von Jever gibt es einen besonderen Nachwuchs, Pfauennachwuchs. Eine Henne hat erfolgreich zwei Hühnerküken ausgebrütet. Alle Tierliebhaber sind voller Freude und bestaunen mit Begeisterung und Neugier die Zeit des Wachsens.

Pfauenhenne mit Küken  Pfauenhenne mit Küken
Die Pfauenhenne im Schlossgarten mit ihren zwei Küken (Juli 2008)

Im letzten Jahr und auch schon viele Jahre vorher herrschte bei einem Teil der Bevölkerung noch große Trauer in Jever - um die Pfauen. Beim Spaziergang durch die Stadt und beim Überqueren einer Straße wurde zuletzt im vergangenen Jahr ein Pfau von einem Auto überfahren. Eine Zeit lang gab es keine Pfauen. Für einige Bürger war das eine angenehmere Zeit. Sie waren verärgert worden von den recht mobilen Pfauen, die überall in der Stadt unterwegs waren und auch schon einmal auf eine kostbare Autokarosse sprangen und Kratzer hinterließen oder aber in Gebäude flogen und dort Unheil anrichteten. Doch eine freundliche Spende brachte vor ca. acht Jahren neue Pfauen und bescherte so den Tierfreunden wieder Freude und auf der anderen Seite einigen Bürgern wieder Unwohlsein. Zur eigenen Sicherheit der Pfauen und um Bürger vor weiteren Schäden zu schützen sollte jetzt die Wanderlust der ansonsten standorttreuen neuen Pfauen eingeschränkt werden. Die Tore der beiden Eingänge wurden mit großen Schildern versehen, welche eine Aufschrift tragen, die zum Verriegeln der Pforten auffordert. Eine kleine Vorsichtsmaßnahme zum Recht einiger Bewohner, um die Pfauen vor Unheil zu bewahren und natürlich den Tierfreunden eine erneute Trauer zu ersparen. Es soll jetzt auch kaum noch verärgerte Bürger mehr geben.

Der Schlossgarten bietet mit einer Fläche von ca. 30.000 qm viel Platz und Auslauf für viele Tiere. Neben den Pfauen gibt es Enten, Schwäne, Gänse und viele Singvögel. Es sind auch Kleiber, Baumläufer, Kernbeißer und Buntspechte zu beobachten. Im Garten gibt es schon seit einigen Jahren eine Krähenkolonie. Wenn es dämmert, hat man die seltene Gelegenheit den Flug von Fledermäusen und Eulen zu beobachten. Übrigens haben die Schwäne in diesem Jahr auch erfolgreich gebrütet und sind dabei drei Jungtiere großzuziehen. Im Schlossgarten gibt es - abgesehen von den Pfauen - somit auch durch das andere Getier viele Anziehungspunkte.

Hinsichtlich der Pfauen haben sich die Anstrengungen der Tierfreunde gelohnt, die Pfauen sind anscheinend zufrieden und haben erneut Nachwuchs gezeugt, Eier gelegt und drei Küken erfolgreich ausgebrütet. Ein Küken ist zwischenzeitlich gestorben. Abgesehen von den zwei Jungtieren sind zurzeit drei Hähne und zwei Hennen im Park. Drei Tiere sind somit die Nachzucht vom ersten gespendeten Paar. Ein Tier wurde, wie bereits oben erwähnt, im letzten November von einem Pkw angefahren und musste eingeschläfert werden. Die jetzigen Tiere verstehen sich untereinander gut und sie gehen sehr gepflegt miteinander um. So sind die Tiere eine Attraktion und ein begehrtes Fotomotiv von Einheimischen und auch Urlaubern, insbesondere im Frühjahr während der Balzzeit der Hähne. Dann öffnen sie ihr bis zu 1,50 m langes Gefieder, das ein Muster zeigt, das an ein Auge erinnert, in prächtig schillernden Farben von einem glänzenden Blau und Grün im Halbkreis um ihr Hinterteil. Pfauen sind somit ideale Ziervögel für Parkanlagen.

Pfau schlägt ein Rad
Der Pfauenhahn schlägt sein Federkleid zu einem Rad auseinander

Der Pavo cristatus (Blaue Pfau) gehört zur Ordnung der Hühnervögel und dort zur Familie der Fasanenartigen (Phasianidae). Der Blaue Pfau ist neben dem Fasan und dem Haushuhn der bekannteste Vertreter dieser Vogelgruppe. Durch das auffällige Aussehen des Pfauenhahns gehört dieser zu den ältesten Ziervögeln der Menschen. Bereits in den Sagen der griechischen Antike wurden sie erwähnt. Als standorttreue Vögel werden die ursprünglich in Indien, Pakistan und Sri Lanka beheimateten Tiere heute weltweit gerne in Parkanlagen oder auch als Haustiere gehalten. Schon vor über 4.000 Jahren wurden die ersten Pfauen in den Mittelmeerraum gebracht. Auch die europäischen Könige und Kaiser waren von dem bunten Federkleid begeistert. Modeschöpfer schmücken sich noch heute gerne mit den Federn ihre Kleidung. Die Hindus in Indien haben den Pfau zu ihrem Nationalvogel erklärt. Aber auch ihr Fleisch war bei den Ägyptern, den Römern sowie im Mittelalter, wo es gerne stark gewürzt serviert wurde, sehr beliebt.

In der ursprünglichen Heimat lebt der Pfau bevorzugt in hügeligem Gelände im Dschungel und auch in der Nähe von Gewässern. In den Morgen- und Abendstunden kommen die Vögel zur Nahrungssuche in Familiengruppen aus dem Dickicht oder dem Wald auf die Felder und Wiesen heraus. Die Tiere fressen gerne Kobras und sind so in Indien sehr beliebt und werden auch in den Ortschaften geduldet. Pfauen können sehr zutraulich werden. So kommt es vor, dass sie auch tagsüber auf die Felder und Wiesen gehen und sich nachts auf Bäumen schlafen legen, die mitten in den Siedlungen der Menschen liegen. Trotz ihrer Größe und des langen Schwanzes können Pfauen fliegen, allerdings nicht besonders weit oder hoch. Wenn Gefahr droht, gehen sie in die Luft, flüchten in ein Gebüsch oder suchen auf einem Baum Schutz. Auf Bäumen verbringen sie auch die Nacht, um vor Raubtieren geschützt zu sein. Auch wenn es in den Gärten keine natürlichen Feinde für die Pfauen gibt, so haben sie dieses Verhalten als naturgegeben verinnerlicht. Das ist der Grund, warum den Tieren in Gartenanlagen die Flügel nicht gestutzt werden. Es hat aber den Nachteil, dass die Pfauen so verschlossene Pforten wie die vom Schlossgarten überwinden können. Der unvermeidbare Nachteil ist, wie in Jever geschehen, dass den Pfauen dadurch Unheil widerfährt.

Entsprechend der IUCN (International Union for Conservation of Nature -  Internationale Naturschutzunion) nahm der Bestand des Blauen Pfaus in der letzten Zeit ab. Trotzdem gilt die Art in Teilen ihres Verbreitungsgebietes noch immer als "häufig", so dass der Blaue Pfau als "nicht gefährdet" eingestuft wird.

Sowohl bei der Henne als auch dem Hahn befindet sich eine kleine Federkrone auf dem Scheitel. Ansonsten hat der Hahn das prächtige Farbenkleid und eine Schleppe mit bis zu 1,50 m langen Oberschwanzfedern. Eben diese kann der Hahn zu einem fächerförmigen Rad aufstellen. Die plastisch leuchtende Federzeichnung von großen, blau irisierenden „Augen“ soll Fressfeinde abschrecken, die diese als Augen von großen Säugetieren interpretieren sollen. Wenn dies nicht genügt, um einen Angreifer in die Flucht zu schlagen, setzt der Hahn die gefächerten Schwanzfedern in eine laut rasselnde Bewegung.

Vor der Paarung wirbt der Pfauenmann ausgiebig um sein Lieblingsweibchen. Das nennt man "balzen". Auch dann schlägt er sein Rad, er lässt immer wieder alle Federn erzittern, dabei erklingt ein scharfes Rascheln. Sobald sich die Henne nähert, kehrt ihr der Hahn mehrmals den Rücken zu. Dieses eigenartige Verhalten wiederholt sich solange, bis sich die Henne vor dem Hahn niederlegt und er sie in Hühnermanier begattet. Nach etwa 30 Tagen schlüpfen drei bis fünf Küken.

Die Federstrahlen schimmern wegen ihrer feinen kristallähnlichen Struktur, die zudem noch gitterförmig aufgebaut ist. Die Struktur umgibt die Federenden und wird durch das einfallende Licht in unterschiedlichen Winkeln reflektiert, ähnlich wie die Farben in Seifenblasen im Sonnenlicht oder Ölflecken auf Wasserflächen. Je nach Lichteinfall kann das Gefieder grünlich und golden schimmern. Die Strukturen bestehen aus Melanin und Keratin. Am Hals, Brust und Bauch ist der Hahn leuchtend blau gefärbt. Ein von den Nasenlöchern bis zum Auge reichendes, schmales Band sowie eine breite, halbovale Fläche unter dem Auge ist weiß und nackt. Der Kopf vom Pfau ist im Verhältnis zum Körper eher klein. Das prächtige Gefieder des Hahns mit den auffälligen Deckfedern wird in der Verhaltensbiologie als visuelles Ornament bezeichnet. Es ist somit ein Indikator für seine genetische Fitness. Ein Hahn ist zusammen mit seiner Schwanzschleppe ca. 2 m lang und wiegt etwa 4 bis 6 kg. Die kleineren Hennen sind im Vergleich zum Hahn wesentlich unauffälliger gezeichnet und haben eine Körperlänge von nur etwa einem Meter. Sie wiegen zwischen 2,7 und 4 kg. Ihr Gefieder ist überwiegend grünlich-grau. Die Weibchen sind schleppenlos.

Pfauen leben in der Vielehe (Polygamie) in kleineren Familienverbänden, die im Allgemeinen aus einem Hahn und mehreren Hennen und den Jungvögeln bestehen. Die Fortpflanzungszeit ist von der Region und vom Wetter abhängig und liegt zwischen April und August. In dieser Zeit schart jeder Hahn 3-5 Hennen um sich und beginnt mit dem Balzen und Präsentieren seines prächtigen Federkleides.

Nach der Befruchtung gehen die Hennen zum Brutgeschäft über und suchen nach einem geeigneten Platz, um ihre Eier abzulegen. So bauen sie ihr Nest meistens am Waldrand in dichtem Unterholz oder in Büschen. Ein Gelege besteht gewöhnlich aus 4-6, maximal 8 Eiern. Die Eier des Pfaus sind hellweiß bis zartgelblich. Die Brutzeit dauert ca. 28-30 Tage. Nur zum Trinken oder zur Nahrungsaufnahme wird das Brüten unterbrochen. Die geschlüpften Küken wachsen langsam und halten sich vorzugsweise unter dem Schwanz der Mutter auf.

Das Kleid der jungen Küken ist ein helles, isabellbraunes Nest- oder Daunenkleid. Die Oberseite vom Gefieder ist etwas dunkler. Ihre Krone bekommen die Küken nach einem Monat. Als Jungvögel sind die männlichen Pfauen ähnlich wie die Pfauen-Weibchen gefärbt. Im Alter von drei Jahren bekommen die Männchen ihr leuchtendes Federkleid und die prächtige Schleppe, deren volle Länge erst im Alter von sechs Jahren erreicht wird. Nach 2-3 Jahren erreichen sie Geschlechtsreife. Pfauen können bis zu 30 Jahre alt werden.

Pfauen sind sehr gute "Gefahren-Melder", weil sie so gut hören und sehen können. Schon bei der kleinsten Störung warnen sich Pfauen gegenseitig mit einem lauten Warnruf. Dann verstecken sich die scheuen Vögel schnell im Dickicht. Den lauten Ruf lassen die Pfauen besonders gern vor Gewittern vernehmen. Der blaue Pfau hat einen stark entwickelten Geruchs- und Gehörsinn.

Pfauenhahn im Schlossgarten  Pfauenhahn im Schlossgarten
Der Pfauenhahn und Vater der Pfauenküken im Schlossgarten

Die Nahrung der Pfauen besteht hauptsächlich aus Würmern, kleinen Schlangen, Pflanzensamen, Insekten oder Früchten. Morgens gleich nach dem Aufstehen trinkt der Pfau mit seiner Familie erst mal einen kräftigen Schluck Wasser.

Zurzeit beginnt die Mauser der Pfauen und Sammler sind auf der Suche nach einer der begehrten schönen Federn, möglichst eine der langen Schwanzfedern.



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