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Das Moorland, eine bäuerliche Kulturlandschaft

Ein Spaziergang von Schortens nach Jever, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von
©  Helga Wackwitz, Crima Pogge, Peter Thiemann und Volker Bleck

Das Moorland,

eine bäuerliche Kulturlandschaft

Das Moorland ist ein ca. 220 Hektar großes kultiviertes Niedermoorgebiet zwischen Addernhausen - einer alten zu Schortens gehörenden Siedlung - und Jever. Jahrhunderte lange extensive Wiesen- und Weidennutzung, aber auch sporadische Ackernutzung prägten die Entwicklung des Moorlandes zu einer heute schützenswerten Feuchtwiesenlandschaft, die vielen Pflanzen- und Tierarten (Über) Lebensraum bietet.

Entwicklung und Geschichte

Betrachten wir das Moorland aufmerksam, können wir viel von der Entwicklung und der Geschichte des Moorlandes erkennen: Seit der Nacheiszeit vor etwa 20 Jahren formte Wasser vom umliegenden Geestrücken die Niederung. Steigendes Grundwasser und Versumpfungsprozesse führten seit etwa 6000 Jahren zur Moor- und Torfbildung.

Erst mit dem Beginn des Deichbaus im11. Jahrhundert hörten die regelmäßigen Meeresüberflutungen auf, und die Menschen auf der Geest nahmen schwer zu bewirtschaftende Moore und Sumpfflächen in Kultur. Entwässerungsmaßnahmen und Wegebau waren dafür unabdingbare Voraussetzungen. Die sich entwickelnden grundwasserfeuchten Grünländer eigneten sich zur Heuernte und bei ausreichender Trittfestigkeit als Weide. Die unregelmäßigen Zuschnitte der Parzellen im nordwestlichen Moorland und in der Niederung vor Addernhausen lassen vermuten, dass sie die ältesten bewirtschafteten Bereiche im Moorland darstellen.

Einen Torfabbau in größerem Umfang hat es nicht gegeben, da die Torfschicht gering und von schlechter Qualität war. Nur in der Niederung vor Addernhausen wurde von Anliegern bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Handtorfstichen Brenntorf gegraben. Zwei dieser Stellen sind noch heute als Gruben mit besonderer Vernässung erkennbar.

Link: Der Torfspaten, ein Arbeitsgerät der Moorbauern

Bedeutung der Feuchtwiesen

Feuchtwiesen gehören zu den am meisten gefährdeten Naturbereichen. Dies ist auf die Intensivierung der Landwirtschaft, aber auch auf Industrieansiedlungen, den Straßen- und den Städtebau zurückzuführen.

Traditionelle Bewirtschaftung, die sich durch einen geringen Viehbestand und eine späte ein- oder zweischürige Mahd auszeichnet, fördert die Feuchtwiesen. Auf beweideten feuchten Grünländern entwickeln sich durch Tritt und Verbiss des Weideviehs andere Pflanzenarten als auf Mähwiesen. Zahlreiche Tiere, vornehmlich Insekten, sind auf viele dieser meist seltenen Pflanzen angewiesen, da sie sich nur von deren Nektar ernähren können.

Wiesenvögel, wie z. B. der Kiebitz sind besonders auffällige Tiere der Feuchtwiese. Sie benötigen weite überschaubare Flächen, eine lückige, nicht zu hohe Vegetationsdecke und feuchten, weichen Boden mit ausreichend Nahrung. Ihre ganze Lebensweise ist an die Verhältnisse der Feuchtwiese angepasst - werden diese verändert, dann verschwinden auch die Wiesenvögel aus dem Gebiet.

Kiebitz
Kiebitz mit Jungtier

Schutzmaßnahmen

Auch im Moorland führte die technische Entwicklung zu starken Entwässerungsmaßnahmen und einer Intensivierung der Landwirtschaft. Um den noch in Teilbereichen vorhandenen Feuchtwiesencharakter des Moorlandes zu pflegen und zu schützen, kauften die Gemeinde Schortens und die Stadt Jever seit Beginn der 90er Jahre mit Hilfe des Landes Niedersachsen bisher etwa 50 Hektar in der Addernhauser Niederung und ihrer Umgebung auf. Die Flächen werden mit Nutzungsauflagen an umliegende Landwirte verpachtet.

Viele Pflanzen und Tiere der Feuchtwiese benötigen offene Wasserflächen für ihre Entwicklung. Für sie wurden neben Grabenerweiterungen bereits mehrere Tümpel mit flachen Uferzonen im Moorland angelegt.

Spaziergang durch das Moorland

Wenn wir unseren Spaziergang in Addernhausen beginnen, gehen wir entlang einer Birkenallee in das Moorland hinein. Wir befinden uns auf dem Moorlandsweg, der von Addernhausen nach Jever führt. Wallhecken und Hofgebüsche, die wir rechts und links des Weges sehen, charakterisieren den Geestrand. Aufmerksame BeobachterInnen erkennen das zum Moorland hin leicht abfallende Gelände.

Kate-vom-Moorland       Birkenallee-ins-Moorland  
links: Karte vom Moorland
rechts: Birkenallee (linke Seite Wallhecken) die von Addernhausen ins Moorland führt

Wallhecken

Wallhecken sind kennzeichnend für die Geest und Geestränder im friesisch-ostfriesischen Raum. Als ehemalige Einfriedungswälle sind sie Zeugnis einer traditionellen landwirtschaftlichen Nutzung der Geest. Da sie auf engstem Raum zahlreiche Nist- und Nahrungsmöglichkeiten und unterschiedliche Standortbedingungen aufweisen - so ist beispielsweise die Südseite warm und trocken, die Nordseite schattig und kühl - bieten sie für zahlreiche Tiere einen Lebens- und Rückzugsraum. Die Wallhecken am Rande des Moorlandes sind überwiegend mit hohen Eichen bewachsen. Im Moor selbst gibt es keine Wallhecken.

Vor dem Reiterhof westlich (Anmerkung: mittlerweile finden sich viele gelbe Schwertlilien zu Beginn des Weges auf der rechten, östlichen Seite) des Weges können wir uns einen mit Schwertlilien bewachsenen Graben anschauen. Kurz vor dem Ende der Birkenallee sehen wir östlich das tiefste Gebiet des Moorlandes, die Addernhauser Niederung. Sie ist vom Moorlandsweg aus nicht zu betreten.

gelbe Schwertlilie  blaue Schwertlilie
links: gelbe Schwertlilie, rechts: blaue Schwertlilie
Addernhauser Niederung

In der Addernhauser Niederung entwickeln sich neben Seggen und Binsen auch vielfältige Blütenpflanzen zu bunten Feuchtwiesen. Durch das dunkle Grün heben sich die verschiedenen Binsen vom umliegenden Grünland ab. Auf besonders nassen Standorten wächst das auffällige Wollgras. Eine Schwertlilienwiese gehört zu den Besonderheiten. An den Ufern der Teiche entwickelte sich ein umfangreicher Röhrichtbestand, an dem sich verschiedene Libellenarten, wie z. B. die Große Königslibelle oder die Wasserjungfer angesiedelt haben.

Am Ende der Birkenallee haben wir einen Blick auf das weite Moorland. Im Hintergrund sehen wir die Stadt Jever mit ihrem markanten Schlossturm. Die vor uns liegende Wiesen- und Weidenlandschaft wird von einem Grabensystem durchzogen, das an den schmalen Schilfbeständen gut erkennbar ist.

Große Königslibelle   Gebänderte Prachtlibelle
links: Große Königslibelle (Foto von Tim Bekaert), rechts: Gebänderte Prachtlibelle

Gräben

Gräben dienen der Entwässerung, aber sie haben auch für Tiere und Pflanzen in einer Kulturlandschaft eine wichtige Funktion, weil sie gegenüber den Wirtschaftsflächen relativ unberührte Lebensräume darstellen. Wichtige Entwässerungsgräben des Moorlandes werden jährlich aufgereinigt. Geschieht dies vorsichtig, können sich viele kleine und lichtbedürftige Pflanzenarten entwickeln. Besonders in Gräben mit einer guten Wasserführung sind bedrohte Arten zu entdecken, wie Wasserfeder, Wasserschlauch oder Wasserhahnenfuß. An Gräben mit einer unregelmäßigen Aufreinigung wachsen weniger unterschiedliche Pflanzen, aber sie bieten mit ihrem hohen Schilfwuchs einen wichtigen Brut- und Nahrungsraum für Vögel, wie z.B. den Teichrohrsänger. Auch viele andere Tiere finden in diesem Lebensraum Nahrung und Schutz.

Wiesen und Weiden

Wir sehen neben einheitlich grünen, überwiegend mit Nutzgräsern bewachsenen Flächen feuchte Grünländer, die je nach Jahreszeit ein Farbenspiel von rotem Ampfer, gelbem Hahnenfuß (auch unter dem Namen Butterblume bekannt), Kuckuckslichtnelke und anderen Feuchtwiesenarten aufweisen. Auf beweideten Flächen bestimmt die in Bulten wachsende harte, ausdauernde Rasenschmiele das Bild. Sie bildet zusammen mit dem Pfeifengras an Grabenrändern und ungenutzten Flächen im Sommer und Herbst das charakteristische Bild trocken gelegter Moorländereien.

scharfer Hahnenfuß
scharfer Hahnenfuß - siehe auch hier

Neben unserem Weg fließt das Moorlandstief. Als Hauptentwässerungsgraben des Moorlandes und anliegender Stadtteile und Geestbereiche wird es verstärkt aufgereinigt.

Moorlandstief

Der Verlauf des Moorlandstiefs folgt einer eiszeitlichen Abflussrinne. Die inzwischen selten gewordene Teichmuschel ist hier noch vorhanden. Da sie die starke Aufreinigung nicht verträgt, ist ihr Vorkommen gefährdet. Grasfrösche und Erdkröten nutzen das Moorlandstief als Laichgewässer, dessen Ränder hauptsächlich mit Schilf und Rohrglanzgras bewachsen sind.

Wir gehen nun über die Brücke. Hinter dem großen Gebüsch erkennen wir eine Aufteilung an einem Seitengraben des Moorlandstiefs.

Grasfrosch  Erdkrötenpaar
links: Grasfrosch
, rechts: Erdkrötenpaar auf dem Weg zum Laichen
Foto links von Sönke Behrends, rechts von Dr. Michael Linnenbach

Tümpel und Grabenaufweitung

Diese Aufweitung wurde als Rückzugsgebiet für die Teichmuschel geschaffen. Folgen wir dem Moorlandsweg weiter, sehen wir nach einer Weile links des Weges einen Tümpel. Er wurde vor einigen Jahren neu angelegt. An diesem Tümpel können wir die natürliche Wiederbesiedelung von Pflanzen und Tieren beobachten.

Während des ganzen Spazierganges können wir rechts und links des Weges zahlreiche Vögel beobachten.

Vögel im Moorland

Der Kiebitz ist bis in den Herbst auf den Wiesen und Weiden des Moorlandes zu sehen. Im Frühling können wir uns an seinen Balzplätzen erfreuen. Vielleicht entdecken wir auf einem Zaunpfahl den kleinen braunen Wiesenpieper. Er bewacht sein in unmittelbarer Nähe liegendes Nest. Wenn wir Glück haben, können wir den blitzschnellen Beuteflug  eines Mäusebussards oder Habichts beobachten. Oft ist auch der trillernde Gesang der Feldlerche zu hören, der charakteristisch für eine flache Landschaft ist.

Mäusebussard  männlicher Habicht  Feldlerche
Mäusebussard, Habicht und Feldlerche
Foto links von Marek Szczepanek (Polen) und in der Mitte und rechts von Norbert Kenntner (Berlin)

Das Moorland bietet uns einen naturnahen Erholungsraum. 
Damit dies so bleibt, müssen wir darauf achten, 
dass durch unser Verhalten die Pflanzen und Tiere nicht gestört werden.

Nähere Informationen erhalten Sie bei den Umweltberatungen der Gemeinde Schortens und der Stadt Jever.

Fotos Moorland

Winter - Impressionen aus Jever und dem Moorland

 
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externe Links:
(siehe Hinweis)
RUZ Schortens
Die heimische Vogelwelt