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| "Ich
komme wieder ...." Der Mariengang im Schlosspark zu Jever wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. Antje Sander, Leiterin vom Schlossmuseum Jever, veröffentlicht im Historienkalender 2010 vom Brune-Mettcker Druck- und Verlags-GmbH (Jeversches Wochenblatt) |
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Mit
diesem Satz auf den Lippen soll Fräulein Maria 1575 nicht
gestorben, sondern in einem dunklen Gang entschwunden sein. Die Glocken
hätten von nun an jeden Abend vor Anbruch der Nacht geläutet,
damit sie den Weg zurück finde. Diese Sage hat sich fest in das
kulturelle Gedächtnis des Jeverlandes eingeprägt und erhielt
im letzten Jahr, als der sog. ,,Gang Fräulein Marias" im
Schlosspark Jever wieder geöffnet wurde, neue Nahrung.![]() Alte Gemäuer, Geheimnisse, große Persönlichkeiten mit einem Leben zwischen Verrat, Liebe, tragischem Tod und Verehrung lassen Geschichten entstehen, die über Jahrhunderte hinweg erzählt werden. Gerade das Schloss zu Jever bietet hier viele Anknüpfungspunkte. Es gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Baudenkmälern zwischen Ems und Weser. Mit seiner über 600jährigen Geschichte ist es noch immer Identifikationspunkt des Jeverlandes. An keinem anderen Ort wird die Geschichte der kleinen, einstmals selbstständigen Herrschaft so fokussiert wie hier, dem ehemaligen Sitz der Landesherrschaft. Ein Vorgängerbau des heutigen Schlosses, vermutlich ein Steinhaus mit einem Wassergraben gesichert, war den Fehden des 14. Jahrhunderts zum Opfer gefallen. 1428 wurden die Grundlagen des heutigen Bauwerkes gelegt, zu dem auch der runde, ursprünglich 24 Meter hohe und aus fünf Meter starkem Mauerwerk bestehende Wehrturm gehörte. Die Burg in Jever wurde Zentrum und Mittelpunkt der Landesherrschaft in Östringen, Rüstringen und dem Wangerland, die dem Häuptlingsgeschlecht der Wiemkens als Residenz diente. Neben den militärischen Aufgaben der Burg lässt sich vom 15. bis zum 16. Jahrhundert durch die Festigung der Landesherrschaft und dem Aufbau einer Verwaltung auch ein Funktionswandel bzw. eine -erweiterung der Residenz belegen. Nach dem Tode Fräulein Marias, der letzten selbstständigen Regentin des Jeverlandes, stand das Schloss immer wieder unter wechselnden Herrschaften und diente den Grafen von Oldenburg (1575-1667), den Fürsten von Anhalt-Zerbst (1667-1793), den russischen Zaren unter Administration der Anhalt-Zerbster (1793-1806) und schließlich seit 1818 wieder den Oldenburger Herzögen und Großherzögen als Nebenresidenz. Als Sitz der jeweiligen Territorialgewalt wurde das Schloss immer wieder repräsentativ ausgestaltet und dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Als Herzog Peter Friedrich Ludwig die Schlossanlage in seinen Besitz nahm und am 27. August 1823 in Jever die feierliche Erbhuldigung erhielt, setzte er noch im selben Jahr Ernst Friedrich Otto Lasius (1797-1888) als Baukondukteur ein und beauftragte ihn mit einer Zustandsbeschreibung und einem Vorschlag für eine Instandsetzung und Umgestaltung des Schlosses. Aufgabe war es, eine Nutzung des Schlosses für die Aufenthalte des Herzogs in der Herrschaft Jever möglich zu machen. Die besondere Bedeutung des Ortes hat maßgeblich die Baugeschichte des Schlosses im 19. Jahrhundert beeinflusst. Vieles der alten Bausubstanz erhielt eine neue Gewichtung. Obwohl Lasius zunächst einen Neubau im klassizistischen Stil auf dem Alten Markt plante, kam es hierzu nicht, sondern zu einer umfassenden und durchgreifenden Instandsetzung der gesamten Schlossanlage. Die Nebengebäude, die innerhalb des Schlosswalles standen, wurden zwischen 1822 und 1827 sukzessive abgebrochen. Zuerst die Brauerei, die dem heutigen Speisesaal und (der) fürstlichen Galerie gegenüberlag. Dann folgten die Gefängnisse, die Wagenremisen und die Drostei, die bis an die östliche Ecke des Schlosswalles reichten; dann wiederum Wagenremisen, die Bibliothek, das Brunnenhaus und weitere Wohngebäude, schließlich die Kommandantenwohnung über dem gewölbtem Tor und der kasemattierten Hauptwache, in deren Untergeschoss sich ein Gefängnis, "der dolle Hund" genannt, befand, gegenüber dem heutigen Amtsgericht. Hierzu wurden ab 1826 sämtliche verbliebenen Wallanlagen und Tore geschleift. Die Schenkwache und die Schlossbrücke wurden 1827 abgebrochen. Das Schloss öffnete sich nun zur Stadt hin. Bis 1838 wurden dann die restlichen Befestigungsanlagen abgetragen. Auf dem kleinen, von den ehemaligen Graften begrenzten Gelände wurde ein der Natur nachempfundener Raum geschaffen - mit weiten Rasen- und Wasserflächen, Baumgruppen, Buschzonen und kleinen Hügeln. Geschickt wurden Reste der alten Unterburg in die Gestaltung einbezogen. Ende 1842 war die Anlage des Parkes vollendet und wurde dem Großherzoglichen Hofmarschallamt zu Betreuung übergeben. Von der alten Unterburg haben sich im heutigen Schlosspark nur noch wenige Reste erhalten. Geheimnisumwoben sind die unterirdischen Gänge, die das Schloss zu Jever umgaben. Sie dienten in erster Linie der Verbindung zwischen der ehemaligen Unterburg und dem eigentlichen Schloss, dem Wasserausgleich zwischen dem inneren und äußeren Grabensystem sowie der Stadtgraft, und als Ausfallgänge aus der Unterburg. Heute ist die Lage vieler Gänge unbekannt. Ein Gang lief beispielsweise von dem Turm der östlich gelegenen Drostei in der Unterburg zu einer Ausfallpforte im Nordwall mit einem Aufgang auf dem Alten Markt. Als am Anfang des 19. Jahrhunderts die Schlossanlage grundlegend erneuert wurde, hatte sich die unsichere Zeit auch für die Menschen der Herrschaft Jever in eine friedliche Periode verändert. Die Sehnsucht nach einer beständigen, verlässlichen guten Herrschaft war groß. Dies spiegelt besonders eindringlich die Kyffhäuser- oder Barbarossa-Legende wider, die bereits im späten Mittelalter belegt, aber Anfang des 19. Jahrhunderts auch politisch instrumentalisiert wurde. Ein bekanntes Zeugnis ist das 1817 von Friedrich Rückert verfasste Gedicht, nach dem der gute mittelalterliche Herrscher Friedrich Barbarossa gar nicht gestorben sei, sondern im Kyffhäuser ruht und einst wiederkehrt, wenn er in Deutschland gebraucht wird. Die napoleonischen Kriege und die Zeit danach haben auch im Jeverland ihre Spuren hinterlassen. Hier verkörperte nun auch Fräulein Maria, die erfolgreiche Herrscherpersönlichkeit der Renaissancezeit, diese Sehnsucht nach Einheit und einer ,,guten Polizey" besonders. Unter ihrer unabhängigen und eigenständigen Herrschaft wurden Rechtssätze kodifiziert und in der Erinnerung ist gerade mit dieser Phase Ruhe und Wohlstand verbunden. Der Pastor und Rektor des Gymnasiums in Jever, Hermann Friedrich Hollmann (1753-1825), verfasste 1805 im Jeverschen Kalender eine kurze Geschichte der Zeit Fräulein Marias. Er schließt mit den Worten: "Ihr Andenken hat sich unter uns durch ihre Werke und selbst unter den geringern im Volke durch mannigfaltige Sagen erhalten. Schwerlich wird es so verlöschen." Dieser Hinweis wird erstmals ausführlicher in schriftlicher Form von dem Schriftsteller, Juristen und Politiker Ludwig Strackerjan (1825-1881) dargestellt. In seiner Sammlung "Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg, 2 Bde. 1867" stellte er nach mündlichen Zeugenberichten, aber auch nach älteren schriftlichen Quellen die wichtigsten Sagen und Legenden des Oldenburger Landes zusammen. Er orientierte sich dabei sicher an den 1816 und 1818 erschienen ,,Deutschen Sagen" der Gebrüder Grimm. Er schildert die Legende folgendermaßen: "Von dem Schlosse zu Jever führen mehrere unterirdische Gänge nach Upjever, Marienhausen etc. In einem dieser Gänge, und zwar, wie die meisten sagen, in dem Gange nach Upjever, soll Fräulein Maria verschwunden sein. Ehe sie hineinging, befahl sie, dass man so lange jeden Abend mit den Glocken läuten solle, bis sie wiederkomme, und dies ist auch bis in die neueste Zeit geschehen.. . Man hat später oft in die unterirdischen Gänge einzudringen versucht, um zu sehen, wo Fräulein Maria geblieben sei, aber alle, die es gewagt haben, sind darin erstickt. Nur einer ist an eine Tür gekommen. Als er die öffnet, sieht er einen Tisch aus Eisen mit drei (einem) brennenden Lichtern, unter dem Tische lag ein großer schwarzer Hund, der ihn mit feurigen Augen anglotzte..." Die Sage vom unterirdischen Gang erscheint jedoch älter als diese Erwähnungen im 19. Jahrhundert. Sie hat ihren Ursprung sicherlich in dem Umstand, dass der Tod Fräulein Marias wegen der damaligen politischen Umstände nicht zeitnah bekannt gegeben wurde. Es sollte nämlich dem designierten Nachfolger, Graf Johann VII . von Oldenburg die Gelegenheit gegeben werden, nach Jever zu gelangen und die Herrschaft zu sichern, ohne dass zuvor die ostfriesische Seite hätte eingreifen können. Fräulein Maria wurde in dem Grabbau in der Stadtkirche, welches sie um 1564 hatte errichten lassen, begraben. Die Legendenbildung um den Tod Fräulein Marias war bereits 1700 Anlass, den sog. "Fräulein Marien Gang" zu untersuchen. Georg Sello (1850-1926), der große Oldenburger Historiker, wertet hierzu eine Quelle aus, offenkundig ein Inventar bzw. eine Bauzustandsbeschreibung, die ihm Anfang des 20. Jahrhunderts im Oldenburger Archiv noch vorgelegen haben muss, heute jedoch nicht mehr nachzuvollziehen ist. Dieser Gang endete östlich der Schlossanlage, also in der Nähe der damaligen "Rennbahn" und des ,,Papagei" genannten Gewässers, etwa in Höhe des Geländes der ehemaligen Jugendarrestanstalt. Nach den Umgestaltungen Anfang des 19. Jahrhunderts blieb jedoch einzig der Zugang des heutigen sog. Fräulein-Marien-Gangs im Gelände des Parks zu erkennen. Ursprünglich diente er der Verbindung zwischen dem inneren Schlossgraben, der das Gebäude direkt umfloss und dem noch heute sichtbaren, aber ehemals wesentlich breiteren Graben. Dieser Gang hatte jedoch seine Funktion seit der Mitte des 18. Jahrhunderts verloren, als der innere Schlossgraben bereits trocken gefallen war. Viele ältere Jeveraner erinnern sich noch daran, als Kind diesen Gang mit klopfendem Herzen betreten zu haben. ![]() Schlossgarten mit dem Eingang zum Mariengang Der Gang ist heute ca. 51 Meter lang und ca. 1 bis 1,10 Meter breit. An zwei Stellen erweitert er sich auf eine Breite von ca. 2 Metern. Die heutige Höhe variiert zwischen ca. 1,60 und ca. 1,80 Metern. Während er auf seiner gesamten Länge mit Ziegelsteinen unterschiedlichster Formate, vom Klosterformat des späten Mittelalters bis hin zu industriell gefertigten Steinen für Ausbesserungen des frühen 20. Jahrhunderts gemauert ist, weisen die Wände an diesen breiten Stellen im unteren Bereich bearbeitete Granitquader auf. Ein ähnlicher Wandaufbau findet sich auch im unteren Teil des Schlossturms. Es spricht einiges dafür, dass dieser Gang im Zuge der Erweiterung der Burganlage seit dem späten 15. Jahrhundert errichtet wurde. Ein Terminus post quem ist die Anlage des äußeren Wassergrabens. Wir wissen, dass Fräulein Maria spätestens seit 1536 Schloss und Stadt mit Graben und Wall befestigen ließ. Damit gehört der Gang zu den ältesten Bauteilen, die die Schlossanlage aufweist. Heute geistern nur noch Fledermäuse durch den Gang. Im Herbst 2008 wurden hohle Betonsteine an der Decke angebracht, um Fledermäusen in dem feuchten Klima eine gute Überwinterungsmöglichkeit zu bieten. Eine Fransenfledermaus hat dieses Angebot im Winter 2008/9 bereits genutzt. Es ist zu hoffen, dass in Zukunft wieder mehr dieser guten Geister den Gang bevölkern und vielleicht dem Fräulein und ihrem schwarzen Hund Gesellschaft leisten. Prof. Dr. Antje Sander Quellennachweise und Literatur zum Weiterlesen: - Karl Fissen, Volkstümliche Sagen aus dem Jeverland und der Friesischen Wehte, Jever 1951. - Altertümer zu Emden (Emder Jahrbuch), Bd. 25, 1937, 160. - Hermann Lübbing, Friesische Sagen von Texel bis Sylt, Jena 1928. - Hermann Lübbing, Oldenburger Sagen, Oldenburg 1968. - A. von Negerlein, Haus Oldenburg in Sage und Geschichte. Oldenburg 1888. - Wolfgang Petra, Fräulein Maria von Jever - Studien zu Persönlichkeit und Herrschaftspraxis, handlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 73), Aurich 1994, s. a. Dress, Fräulein Maria von Jever: ein Lebensbild. - Friedrich Wilhelm Riemann, Geschichte des Jeverlandes Bd. 2 (nur veröffentlicht in Fortsetzung im Jeverschen Wochenblatt, Typoscript im Archiv des Schlossmuseums), 1905-1906. - Antje Sander (Hg.), Das Fräulein und die Renaissance - Maria von Jever, Oldenburg 2000. - Heinrich Schmidt, Maria von Jever - Persönlichkeit und Bedeutung, in: Emder Jahrbuch Bd. 55, 1975, S. 31-45. - Georg Sello, Östringen und Rüstringen, Oldenburg 1928. - Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg, Bde. 1867, 2. erw. Auflage, hg. von Karl Willoh. Oldenburg 1909. - Joachim Tautz, "Unser gnädig Fräulein": "Streitbare Jungfrau" und "rechte Landesmutter", Das Bild Fräulein Marias im Jeverland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, in: Antje Sander (Hg.), Das Fräulein und die Renaissance, Oldenburg 2000, s. 65-82. siehe auch: Maria, Regentin von Friesland Fräulein Maria und die Saatkrähe Krähenklatsche Krähenplage Krähen in Jever eine Stellungnahme von Werner Menke |
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