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| Maibaum |
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in vielen Gegenden und Ländern in Europa, so wird auch in Friesland,
entsprechend der Tradition, ein Maibaum am letzten Tag im April
aufgestellt und zum 1. Mai präsentiert. Es finden sich Gruppen und
Gemeinschaften, um diesen Brauch zu pflegen für ein geselliges,
spannendes, freudiges und lustiges Beisammensein. Auf einem Platz, in
den Dörfern oft der zentrale Dorfplatz, z. B. in Tettens und in
Cleverns neben dem Feuerwehrhaus, in Hohenkirchen vor dem Dorfkrug, in
Jever der Platz beim Schützenhof (früher auf der Lohne oder auf der
Schlachte), in Sande auf dem Karl-Marx-Platz, in Bockhorn vor dem
DLRG-Vereinsheim oder auch bei Nachbarschaften im Vorgarten, wird ein
langer Mast mit mehr oder weniger Tannengrün, Schleifen und Bändern
geschmückt. Oft wird an der Spitze des Mastes ein großer Kranz
angebracht, wie ein Adventskranz ohne Kerzen, und wird mit allerlei
Krepp-Papier, Girlanden und Tannengrün als Schmuck verziert. Die Höhe
des Maibaumes ist nicht vorgeschrieben und wird von den persönlichen
Möglichkeiten und Befindlichkeiten der Aufsteller bestimmt. Viele Bäume
sind höher als 10 m, teilweise gibt es Bäume die sind 15m bzw. 18m hoch
oder sogar noch höher. Die Attraktivität des
Maibaumes hängt ab von der Höhe und vom Schmuck. Die Frauen einer
Gemeinschaft schmücken den Baum und die Männer stellen den Baum auf.
Teilweise wird der Baum, wie ein Ritual, durch das Dorf zum Stellplatz
getragen und für eine Bewunderung zur Schau gestellt. Mittels Stangen
und einem Traktor, heute auch mit Gabelstapler, Hubbühne oder Kran,
wird der Baum am vorbestimmten Platz aufgestellt. Anschließend wird in
der nahe gelegenen Gaststätte getanzt und gefeiert. Vielfach wird um
den Maibaum herum getanzt. Der Brauch beinhaltet auch das Stehlen eines Maibaums. Das Stehlen darf nur in der Nacht zum 1. Mai bis zum Sonnennaufgang, bis ca. 6.00 Uhr früh, geschehen. Somit ist es wichtig, den Maibaum zu bewachen, um einen Diebstahl zu verhindern. Als bewacht gilt ein Baum der mindestens von einem Körperteil eines Bewachers berührt wird. Nur ein unbewachter Maibaum darf gestohlen werden und nur derjenige der zu einer Gemeinschaft mit einem Maibaum gehört darf selber einen stehlen. Meistens sind es die jungen und kräftigen Männer der Gemeinschaft, die sich als Wache zur Verfügung stellen und auch zum Stehlen gehen. Dieses Stehlen funktioniert nach eigenen alten Regeln und ohne staatliche Justiz. Das Stehlen wird sportlich untereinander ausgefochten nach örtlicher Sitte, Fairness und Gewissen. Falls Streit entsteht, tragen zur Wahrung der Ehre und Schlichtung oft die älteren, anerkannten Autoritäten bei. In Friesland ist es allgemein üblich, dass der Baum als gestohlen gilt, wenn er bereits mit mindestens drei Spatenstichen z. T. ausgegraben worden ist. Der gestohlene Baum darf mitgenommen und auf einen eigenen Platz aufgestellt werden. ![]() gestohlener Maibaum (Foto aus dem Jahr 1979) aus Westrum vor
der Kirche in Waddewarden
So gibt es auf Stellplätzen von Gemeinschaften durchaus mehr als einen Maibaum, weil der gestohlene Maibaum neben dem eigenen Baum aufgestellt wird. Kurios kann es zugehen, wenn der eigene Baum gestohlen und ein anderer, gestohlener Baum auf dem eigenen Platz aufgestellt wird. Es gab auch schon die Situation, dass der eigene Baum gestohlen und dann zurück gestohlen wurde. Eine Gemeinschaft mit einem eigenen großen, schön geschmückten Baum und noch einem weiteren gestohlenen Baum genießt durch diese Leistung einen besonderen Status. Es ist ein unter sportlichen Gesichtspunkten erlangtes Ansehen, welches insbesondere von den jüngeren männlichen Dorfbewohnern oder Anwohnern angestrebt wird. Ende Mai wird der Maibaum so manches Mal feierlich ausgelöst. Zwischenzeitlich geht die bestohlene Gemeinschaft in Verhandlung mit den Siegern über den zu bezahlenden Preis für die Rückholung des Maibaumes. Bei dem Preis geht es meistens um die Menge und Auswahl von Getränken und Essen. Die Rückholaktion am 31. Mai wird dann ebenfalls als eine eigene Feier genutzt; Besiegte und Sieger sitzen gemütlich beisammen und pflegen so Gemeinschaftswesen. Mittlerweile wird das Aufstellen des Maibaums auch von besonderen Gemeinschaften, wie in Cleverns von der örtlichen Feuerwehr, am Vormittag des 1. Mai vollzogen. Dem schließt sich dann ein großes Fest mit Bierzelt, Blasmusik, Bratwurst- und Kuchenessen für die Bevölkerung an. Der Maibrauch hat seinen Ursprung in keltischen und germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitskulten. Der erste Mai wurde von den Kelten als Sommeranfang gefeiert und bei den Germanen herrschte der Glaube, dass in jedem Baum eine Seele wohnt. Der erste Mai galt als Tag, an dem sich der Himmelsgott Wotan mit der Göttin der Erde, Fricka, vermählte. Daraus wurde dann ein Tag, an dem junge Männer sich mit Imponiergehabe, Mutproben und Muskelspiel gegenüber jungen Frauen beweisen müssen. Es hat sich dann der beschriebene Brauchtum entwickelt, der je nach regionaler Ausprägung eigene Traditionen enthält. Diese Traditionen verändern sich immer wieder, entsprechend dem gesellschaftlichen Leben. So wird in einigen Gemeinschaften in Friesland der Baumschmuck auch in Gemeinschaft von Frauen und Männern hergestellt und angebracht. ...Bericht im Jeverschen Wochenblatt (siehe Hinweis) ...Bericht in der Nordwest Zeitung (siehe Hinweis) |
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links: Maibaum in Accum-Ortsmitte rechts: Maibaum in Sillenstede-Ortsmitte ![]() links: Maibaum in Horumersiel rechts: Maibaum in Waddewarden |
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externe Links: (siehe Hinweis) Maibaum Maibaum binden in Wiefels (siehe unter Fotoalbum und dann nach unten scrollen zu "Mit einem Klick zu den Fotoseiten") |
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