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Klootschießen
 

Klootschießen ist ein Sport, der vielfach an der norddeutschen Küste, in Ostfriesland (siehe hier), in einigen oldenburgischen Landkreisen, in den Niederlanden und in Irland ausgeübt wird.

Seit vielen Jahrhunderten wird diese Sportart in Friesland betrieben. Es handelt sich um eine Wurfsportart mit einer Kugel, der Klootkugel. Der Sport erfordert eine besondere Technik und es werden Schnelligkeit, Konzentration und Kraft benötigt. Geworfen wird mit einer kleinen Holzkugel aus Hartholz, die mit Blei ausgegossen ist. Das Blei kommt durch Bohrungen in die Kugel hinein.

Im Niederländischen spricht man vom Klootschieten und in Irland, im englischen Sprachgebrauch vom Bowlplaying. Der Begriff Kloot kommt aus dem Niederdeutschen und bedeutet soviel wie Kluten; hier ist ein Erdklumpen (in der friesischen Geest- und Marschlandschaft sind die Böden fest und schwer) gemeint. Später wurden schwere Flint- (Gestein) und kiloschwere Eisenkugeln benutzt. In einer Weiterentwicklung wurde ein Stück Holz von einem Apfelbaum zu einer faustgroßen Kugel verarbeitet. Die Kugel wurde über Kreuz durchbohrt und dann mit Blei ausgegossen. In Irland werden noch heute (lt. Meyers Online Lexikon) Eisenkugeln verwendet. Es gibt Berichte, in denen davon die Rede ist, dass es sich beim Klootschießen ursprünglich um eine friesische Waffe handelt und die friesischen Kämpfer mit ihren Wurfgeschossen gefürchtet waren.

Klootschießen wird im Winter auf Weiden, Wiesen und Feldern ausgetragen. Im Winter sind diese Untergründe hart und zum Teil gefroren und bieten somit gute Bedingungen für die Ausübung. An dieser Tradition wird immer noch festgehalten, obwohl heute optimale Untergründe geschaffen werden könnten und damit ein Spiel auch zu anderen Jahreszeiten möglich wäre. Einzig der Standwettkampf wird heute manchmal auf Sportplätzen und zu anderen Jahreszeiten ausgetragen.

In alten Zeiten wurde vielfach um Bares oder Wertgegenstände gespielt und dabei wurde oft Alkohol getrunken. Folgerichtig kam es so zu Fehlwürfen, Fehlentscheidungen und auch zu Streitigkeiten, teilweise mit schmerzhaftem Ausgang. Das ist dann wohl zum Ende des 17. Jahrhunderts in Ostfriesland derart ausgeartet, dass die Obrigkeit diesen Sport verboten hat. Die seinerzeitige Regierung unter dem Fürsten Friedrich August in Jever verbot (siehe unten) diese Sportart für Friesland im Jahr 1755, im Jahr 1760 und dann erneut im Jahr 1789. Allen Verboten zuwider haben die Freunde dieser Sportart trotzdem das Klootschießen weiterhin ausgeübt und es hat sich bis heute in alter Tradition erhalten. Allerdings kommt es nicht mehr zu Todesfällen, zu denen es früher gekommen sein soll. Bedingt durch die Sportbekleidung, es wurde Unterwäsche getragen, und den Konsum von Alkohol haben sich einige Sportler unterkühlt. Es ist überliefert, dass Lungenentzündungen und eben auch Todesfälle vorgekommen sein sollen. Neben den Sportlern gab es und gibt es auch heute noch viele begeisterte Anhänger, die das Zusammensein als gesellige Runde nutzen. Besonders erwähnenswert sind dabei die Käkler und Mäkler. Die einen kakeln, gesellen sich beim Unterhalten und Tratschen und die anderen mäkeln, meckern herum und wissen alles besser (nordwestreisemagazin - Quelle: Thomas Degering , Die Ostfriesen Pauschal, Fischer Taschenbuch Verlag 1999 S.50ff). Diese oben beschriebenen „Saufgelage“ gibt es heute allerdings nicht mehr.

Hier der Wortlaut eines Verbotes aus Jever:
(klootschießen.de - Quelle: Vom Boßeln, Klootschießen und vom Bowl-playing
             Augustin und Johannsen, Verlag Lühr & Dirchs, 1978, Seite 47)

Wenn bei hochfürstlicher Regierung bekannt geworden ist, daß das verderbliche Klootschießen hier bei der Stadt und im Lande wiederum einreißen will, diesem mit allerlei Unordnung und einem wilden, wüsten Wesen vergesellschafteten Unternehmen aber umsoweniger nachzusehen ist, da allbereits hiebevor nämlich unter d. 15. Februaris 1755 und unter d. 19. Jan. 1760 die nachdrücklichsten Verbote von öffentlicher Canzel dieserwegen ergangen ist, als wird mittels Erneuerung derselben das sogenannte Klootschießen und das dabey gewöhnliche Zusammenlaufen überhaupt, es mag dabey gewettet werden oder nicht, bei Gefängnisstrafe und auch sonstiger scharfer körperlicher Züchtigung hierdurch anderweits verboten und werden die Hochfürstlichen Beamten als auch der Stadtrath hierselbe zugleich angewiesen, durch ihre Untergebenen aufmerksam rigilieren zu lassen, daß dieser Verordnung nicht zuwiedergehandelt, die Contravenienten aber bey Hochfürstl. Regierung zur wohlverdienten Bestrafung angezeigt werden mögen.

Wonach ein jeder sich zu richten und für Schaden zu hüten hat.

Jever, den 9. Jan. 1789

Der Sinn von dem Spiel ist die besagte „Klootkugel“ mittels einer Rampe als Sprungbrett so weit wie möglich zu schleudern. Mit einem Anlauf wird auf die Rampe gesprungen. Der resultierende Schwung wird genutzt und die Kugel vor dem Berühren des Bodens geworfen. Gehalten wird der Kloot zwischen Zeige- und Mittelfinger und dem Daumen. Der Anlauf beträgt etwa 20 m und wird bis zur Rampe in gleichmäßigen Schritten beschleunigt. Die Wurfhand zeigt bei gestrecktem Wurfarm in die Wurfrichtung. Beim Absprung dreht sich der Werfer seitlich in eine Grätsche. Im Sprung dreht der Werfer seinen Wurfarm in schnellen Kreisbewegungen am Körper entlang und schleudert dann die Kugel.

Mittlerweile betreiben auch Frauen und Kinder diese Sportart. Entsprechend dem Alter werden die Kugeln in verschiedenen Größen und Gewichten hergestellt:

C und D Jugend:
Durchmesser: 52 mm
Gewicht: 250 g

II bis IV Männer,
I bis IV Frauen,
A und B Jugend:
Durchmesser: 55 mm
Gewicht: 375 g

I Männer
Durchmesser: 58 mm
Gewicht: 475 g

Klootschießen gibt es als Stand- oder Feldkampf. Heutzutage werden neben regionalen und nationalen auch internationale Meisterschaften, z. B. Europameisterschaften (siehe Internationaler Bowlplaying Verband) ausgetragen.

Feldkampf:
Der Feldkampf ist, besonders in Ostfriesland und Oldenburg, die traditionelle Variante und wird zwischen zwei Mannschaften ausgetragen. Jede Mannschaft hat mehrere Werfer. Es wird vorher eine ca. 7 km lange Strecke abgesteckt und dann durchworfen. Der Anwurfpunkt ist für alle Mannschaften gleich. Dort, wo nach dem ersten Wurf die Kugel landet, geht es mit dem nächsten Wurf weiter. Mitgezählt wird der so genannte Trüll, das Auslaufen der Kugel auf dem Boden. Dort wo die Kugel liegen bleibt, ist der nächste Anwurfpunkt. Die Mannschaft, die das Ziel zuerst erreicht hat bzw. mit den geringsten Würfen am Ziel ankommt, hat gewonnen. Seit Urzeiten beliebt ist der mittlerweile bedeutende "Klootschießer-Feldkampf" zwischen den Ostfriesen und Oldenburgern. Hier werden alte Rivalitäten (siehe hier) auf sportliche Art ausgetragen. Es werden auch Kämpfe zwischen einzelnen Dörfern ausgetragen. Die Herausforderung eines Gegners gilt als angenommen, wenn in einer Dorfgaststätte eine aufgehängte und ggf. geschmückte Klootkugel von der Decke gerissen wird

Standkampf:
Im Gegensatz zum Feldkampf spielen hier alle Werfer gegeneinander und es wird ein Absprung für alle benutzt. Bei dieser Variante sind die Werfer vielfach in Vereinen organisiert und die Klootschießerbahn wird dann auch auf Sportplätzen eingerichtet. So finden Wettkämpfe heutzutage auch im Sommer statt. Beim Standkampf wird der Trüll (siehe oben) nicht gewertet. Die Wurfweite wird vom Abwurf bis zu dem Punkt, an dem die Kugel aufkommt, gemessen. Sieger ist der mit der größten Wurfweite. Häufig wird der Standkampf für Meisterschaften eingesetzt.

Die Klootschießer aus Friesland/Ostfriesland haben den folgenden Wahlspruch:
„Lüch up un fleu herut“ - Hebe auf und fliege weit hinaus.

Bei meinen Recherchen haben ich auch Folgendes zum Ursprung gefunden:
(Quelle: wissen.de © Wissen Media Verlag)

Lt. dieser Quelle soll das Klootschießen ein Vorläufer vom heutigen Curling und Eisschießen gewesen sein.
Es war früher ein in Nordeuropa verbreitetes Eisspiel mit einer ca. 500g schweren Holzkugel.
Diese Kugel wurde über das Eis nach Zielen geworfen und gerollt.

Hier ein kleines Glossar für Interessierte.


externe Links:
(siehe Hinweis)

Ein Volks- und Leistungssport - friesische Sportart
Friesischer Klootschießerverbandes
Klootschießen.de
friesensport
Internationaler Bowlplaying Verbandfriesensport


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