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Grünkohl mit Pinkel |
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Grünkohl mit Pinkel ist ein friesisches Traditionsessen, dass die Menschen in anderen Teilen Deutschlands nur vom Namen her kennen. Die geräucherte Grützwurst, die diesem Winteressen den für Deutsche schlüpfrig klingenden Namen und dem Gericht den richtigen Geschmack gibt, ist nämlich außerhalb ihres althergebrachten Produktionsgebietes nur äußerst selten zu finden. Die Pinkel-(wurst) hat ihren Namen, weil man früher den Wurstinhalt in den sogenannten Pinkeldarm (Mastdarm) vom Schwein (andere Quellen besagen Rind) gestopft hat. Heute wird oft ein Kunstdarm verwendet. Jeder Fleischer oder Schlachter hat sein Geheimrezept, das er sorgfältig hütet. Traditionell in Friesland sind die Grünkohlessen, Grünkohlpartien und die Grünkohlfahrten, bei denen es um ein gemütliches Beisammensein, zum Beispiel von Vereinen, Betrieben und Nachbarschaften beim Grünkohlessen geht. Oft wird ein Kohlkönig auserkoren. In vielen Fällen wird derjenige Kohlkönig , der den meisten Kohl verspeist hat. In anderen Fällen wird im Kohl eine Erbse versteckt und der Finder wird Kohlkönig. Die Königswürde wird in einer Zeremonie durch Verleihung einer Urkunde und einer Kette mit Plakette verliehen. Meistens muss der Kohlkönig im folgenden Jahr die Grünkohlpartie organisieren. Einmal jährlich wird in der Bundeshauptstadt Berlin (vormals Bonn) von der Stadt Oldenburg ein Kohlessen veranstaltet. Auch hier wird ein Kohlkönig proklamiert. 1984 war zum Beispiel der seinerzeitige Bundeskanzler Helmut Kohl, 1999 der damalige Innenminister Otto Schily, 2003 der FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle, 2005 der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und im Jahr 2006 der Vizepräsident der Europäischen Kommission Günter Verheugen, Kohlkönig. Hier ist die Liste aller Oldenburger Kohlkönige Nach dem Essen gibt es zur besseren Verdauung einen Schnaps, meistens einen Korn oder Doppelkorn. In den Restaurants und Lokalen von Friesland bekommen Sie in vielen Fällen den Schnaps dazu. Allgemein wird gesagt, erst wenn der Grünkohl den ersten Nachtfrost abbekommen hat, darf Grünkohl mit Pinkel gegessen werden. In der Regel beginnt die Grünkohlzeit mit dem Zeteler Markt. Der würzige, etwas herbe Geschmack wird durch die Kälte von Eis oder Schnee ein bisschen süßer, die Blattstruktur lockerer und der Kohl damit bekömmlicher. Manche versuchen, diesen Effekt auch dadurch zu erzielen, indem sie den frisch geernteten Kohl vorübergehend in der Kühltruhe lagern. Umstritten ist allerdings, ob damit geschmacklich die gleiche Qualität entsteht. Das Essen von Grünkohl mit Pinkel nach friesischer Tradition ist auch außerhalb von Friesland, organisiert von einem Butenjeveraner, in Ottobeuren möglich. ![]() Grünkohl
mit Pinkel, Mettwurst, Kasseler, Kartoffeln und Senf
Wer in Friesland ist, sollte dieses Gericht in einem der vielen Lokale ausprobieren, wir empfehlen in der Gemeinde Wangerland in der Ortschaft Waddewarden den Waddewarder Hof oder den Gasthof Deichgraf in der Gemeinde Minsen-Förrien. Zutaten (4 Personen): 1-1,5 kg Grünkohl 3 mittelgroße Zwiebeln, 35 g Schweineschmalz, 1 Kaffeetasse Hafergrütze, 250 g durchwachsener frischer Speck, 600 g Kassler, Salz, Pfeffer, etwas zerstoßenes Piment, etwas Zucker, 1 TL Senf, 4 Pinkelwürste, ersatzweise Kochmettwürste 1 Korn Trennen Sie die Blätter des Grünkohls ab und waschen Sie sie sorgfältig unter fließendem Wasser oder in Essigwasser, um alle Erdreste abzuspülen und Kleinstlebewesen zu vertreiben. Erhitzen Sie in einem großen Topf 4 Liter Wasser bis zum Siedepunkt, geben Sie den Grünkohl hinein und bringen Sie das Wasser wieder zum Kochen. Blanchieren Sie den Grünkohl ca. 2 Minuten, gießen Sie ihn ab und brausen Sie die Grünkohlblätter kalt ab, damit die schöne grüne Farbe erhalten bleibt. Man lässt ihn etwas abtropfen, bevor man ihn klein hackt. Durch das Blanchieren schmeckt der Grünkohl nicht so bitter. Man zieht die Zwiebeln ab und hackt sie grob. In Schweineschmalz auf kleiner Flamme langsam anschwitzen. Wenn die Zwiebeln glasig sind, gibt man den Grünkohl dazu und streut die Hafergrütze dazwischen. Man legt Speck und Kasseler dazu, gießt 1-2 Kaffeetassen Wasser an, würzt mit wenig Salz, Pfeffer, Piment und Senf und schmort den Grünkohl im abgedeckten Topf 2-3 Stunden bei kleiner Hitze, bis das Fleisch durchgegart ist und sich die Aromen von Kohl und Fleisch verbunden haben. Geben Sie nach etwa 2 Stunden die Pinkelwürste dazu, die im Grünkohlbett warm werden sollen. Noch einmal mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken und mit Brat- oder Salzkartoffeln servieren. Kasseler und Speck schneidet man in Scheiben, die Wurst in sehr grobe Stücke. Nach dem Essen schmeckt zur besseren Verdauung ein Schnaps, wie Korn oder Doppelkorn. TIPPS: Grünkohl sollte beim Kauf fest sein, mit kleinen, grünen Blättern, die keine Flecken aufweisen. Geben Sie eine Messerspitze Backpulver in das Blanchierwasser für grünes Gemüse, das sie im offenen Topf kochen sollten. Ebenso wie das Abschrecken mit kaltem Wasser hilft es, die grüne Farbe zu erhalten. Einladung zu einem Boßel-Turnier mit anschließendem Kohl- und Pinkelessen im "Allgäu" im Jahr 2010 externe Links: (siehe Hinweis) Kohlmajestäten in Oldenburg Fotos vom Kohlessen Berliner Kohlfahrt der Stadt Oldenburg 10 Fragen zur "Oldenburger Palme" |
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