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Die Gezeiten: Ebbe und Flut, das Wattenmeer, die Dünen und anderes Wissenswertes von der Nordseeküste

Die Gezeiten: Ebbe und Flut

Der Mond und die Sonne sind dafür verantwortlich. Ihre Gravitation (gegenseitige Anziehung von Massen, bedingt durch die Rotation vom Mond um die Erde und deren Bewegung um die Sonne) verursacht die Abfolge von Ebbe und Flut. Es sind die Gezeiten oder auch die Tide („tiet“ steht im niederdeutschen für Zeit), die auf den großen Gewässern, und eben auch auf der Nordsee, durch die Anziehung verursacht werden. Den arithmetischen Mittelwert aus Tidenstieg und –fall bezeichnet man als Tidenhub. Im Wangerland beträgt dieser im Schnitt zwischen 2,5 m bis 3,5 m. So wechseln zweimal täglich Ebbe und Flut, im Durchschnitt beträgt eine Gezeitenperiode 12 Stunden und 25 Minuten. Wenn das Wasser steigt, wird von  der Flut gesprochen oder auch von auflaufendem Wasser. Umgekehrt wird von Ebbe bei ablaufendem Wasser gesprochen, das Wasser sinkt. Der Zeitpunkt, in dem das Wasser den höchsten bzw. niedrigsten Wasserstand hat, wird als Hochwasser oder Niedrigwasser bezeichnet. Der scheinbar kurze Moment, in dem das Wasser still steht, wird als Kenterpunkt bezeichnet. Bedingt durch die Gezeitenperiode ergibt sich täglich ein anderer Zeitpunkt für das Hoch- und somit auch für das Niedrigwasser. Die Schifffahrt wird dadurch beeinflusst, das Ein- und Auslaufen in einen Hafen an der Nordsee und somit auch an der wangerländischen Küste ist in vielen Fällen erst bei Hochwasser möglich. Abhängig davon wiederum gibt es Bahn- und Busverbindungen als Zubringer zu den Schiffen, die vielfach die Inseln anfahren und deren Bevölkerung befördern und versorgen und auch Besucher mitnehmen. Es handelt sich dann um Tidezüge oder Tidebusse. Deren Abfahrtzeiten verschieben sich täglich um einige Minuten.

Wattenmeer und Dünen

Die Fläche, die bei Ebbe trocken wird, ist das Watt. Der Teil einer  Küste, der am meisten unter dem Einfluss der Gezeiten steht, wird als Wattenmeer bezeichnet. Es soll nach dem tropischen Regenwald das größte Ökosystem der Welt sein. Seit 1986 ist das Wattenmeer vor der niedersächsischen Nordseeküste als Nationalpark geschützt. Hier werden dann bei Ebbe die durch die Flut verborgenen Schätze frei. Es gibt viele Tiere und Pflanzen, die fast nur im Wattenmeer gedeihen. Diese Spezies haben sich auf geradezu geniale Weise den herrschenden Bedingungen angepasst. Es ist der Lebensraum von Wattwürmern, Muscheln, Kieselalgen, Schnecken und Garnelen. Es sind bis zu 4.000 Tier- und Pflanzenarten auf diesem nahrungsreichen Lebensraum vertreten. Viele einzigartige Pflanzen (z. B. Stranddistel, Strandflieder) wurzeln auf den dem Wattenmeer vorgelagerten Salzwiesen oder wie der Strandhafer nur auf den sandigen, lockeren Dünen. Diese werden durch diese Pflanzen stabilisiert. Dünen sind Erhebungen aus dem Meeressand, die durch den Wind abgelagert werden und sich ständig verändern. Der Wind baut die Dünen aus den vielen Sandkörnern aus dem freien Watt entlang der Küste auf. Zahlreiche Zugvögel aus den nördlichen Ländern nutzen das Watt als Rastplatz und fressen sich hier Fettreserven für eine erfolgreiche Brut an. Auf Watt- oder Sandbänken -  kleine Erhebungen,  entstanden durch die Bodenerosionen im Wattenmeer - siedeln Robben.

Bei Ebbe können Wattwanderungen vorgenommen werden. Diese sind ein einzigartiges Naturerlebnis. Voraussetzung sind eine Wanderfitness und ein erfahrener Wattführer, der sich im jeweiligen Wattenmeer auskennt und die Gefahren einschätzen kann. In den unterschiedlichen Wattbereichen lauern viele Gefahren. Priele – tiefe Wasserrinnen – müssen umgangen oder durchwatet werden. Schnell kann das Wetter umschlagen und so kann durch Nebel die Sicht für ein gesichertes Weiterlaufen gefährdet werden. Einige Beispiele für im Watt durch das nahende Wasser eingeschlossene Personen zeugen von der großen Gefahr, die im Wattenmeer bei Unvorsichtigkeit herrschen kann. So kommt es immer einmal wieder vor, zum Glück nicht häufig, dass durch Unkenntnis der Gefahren im Wattenmeer Menschen sterben.

Wissenswertes

Die Nordsee reicht von der Felsküste der Bretagne im Süden bis zu den norwegischen Fjorden im Norden.

Die Fläche der Nordsee ist ca. 580.000 qkm groß

Die größte Meerestiefe beträgt in der Nordsee 725 Meter. Sie befindet sich in der Norwegenrinne, die durchschnittliche Tiefe beträgt 94 Meter

Die Größe vom Wattenmeer der Nordsee beträgt 9.300 qkm. Es ist das größte Wattenmeer, aber nicht das einzige. Es gibt an vielen Küsten auf der Erde ähnliche Strukturen, zum Beispiel in Südkorea, in Bangladesh, im westafrikanischen Mauretanien oder auch in Australien.

Eine riesengroße Menge von fast 1,4 Milliarden Kubikkilometer Salzwasser ist immer in den Meeren der Erde vorhanden
 
Der Gehalt von Salz im Wasser ist unterschiedlich und abhängig von den vorhandenen Bodenmineralien. In der Nordsee beträgt der Gehalt 1,5 % bis 2,5% und steigt in der Nähe von Flussmündungen, insbesondere in der nördlichen Nordsee, so auch im Wangerland, auf Werte von 3,2% bis 3,5%

In der deutschen Nordsee gibt es 14 unbewohnte Inseln. Mit 5,17 qkm ist die Vogelschutzinsel Memmert (südwestlich von Juist) die größte Insel. Einige kleine Inseln sind nur noch als Sandbänke zu erkennen. Sie werden von den Gezeitenströmen zeitweilig völlig überschwemmt. Zu den kleinsten unbewohnten Inseln zählen die Hallig Habel mit 0,036 qkm und die Sandbänke Blauort und Tertiussand. Alle befinden sich im nordfriesischen Wattenmeer und sind Vogelschutzinseln.

Eine Hallig ist eine kleine nicht eingedeichte Insel. Mit Ausnahme von vorhandenen Warften werden diese Inseln bei starken Fluten vom Wasser überspült.

In der Nordsee sind 20 deutsche Inseln bewohnt. Am bekanntesten sind die Inseln Helgoland, Sylt und die ostfriesischen Inseln. Sylt ist mit 99 qkm die größte und die Hallig Südfall mit 0,057 qkm die kleinste bewohnte Insel. Diese Hallig wird allerdings nur im Sommer von einem Vogelwart bewohnt. Die zum Landkreis Friesland zählende Insel Wangerooge zählt mit einer Fläche ca. 8 qkm zu den kleineren bewohnten Inseln in der Nordsee.

Die ostfriesischen Inseln sind in deren Reihenfolge von Ost nach West:
Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney, Juist und Borkum. Wangerooge gehört politisch zum Landkreis Friesland, wird aber geografisch zu den ostfriesischen Inseln gerechnet. Eine Eselsbrücke um sich die Namen und die Reihenfolge der Inseln zu merken sind die Anfangsbuchstaben (wobei das i als J genommen wird) von folgendem Satz: Welcher Seemann liegt bei Nanni im Bett?

Der Horizont ist unendlich weit. Stimmt nicht ganz, denn in 20 cm Bodenhöhe sind es ca. 1,6 km bis zum Horizont, in 1,70 m Höhe bereits ca. 4,7 km und auf dem Deich kann der Horizont schon 9 km entfernt sein.

Der Schaum auf allen Meeren der Erde beträgt im Durchschnitt  720.000 qkm.

Wenn man jeweils einen durchschnittlichen Tidenhub aller Meere dieser Erde nehmen würde, kämen 40 Terawattstunden (Billionen) an Energie zusammen. Das ist etwa die tägliche Weltenergiemenge.


Weiteres Wissenswerte ist zu finden im Buch von Lorenz Schröter: „DAS KLEINE KIELSCHWEIN“ von marebuch bei Fischer, ISBN 978-3-596-18002-8.
Weitere interessante Informationen sind über die untenstehenden Verweise zu erhalten.



externe Links:

(siehe Hinweis)
Nationalpark Wattenmeer - Niedersachsen
Wattwanderungen
Schutzstation Wattenmeer



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