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| Das sollte man über Friesen heute wissen Dieser Artikel stammt von dem Autor Hans Friedrichsen aus Grafschaft-Sillenstede (Stadt Schortens) und beschäftigt sich mit den Friesen im ursprünglichen Sinn, unabhängig von heutigen Aufteilungen und Verwaltungsgrenzen; der heutige Landkreis Friesland ist darin ein Teil von Ostfriesland. Der Autor ist bereits verstorben. Der Artikel ist im Historischen Kalender auf das Jahr 1992 vom Verlag C. L. Mettcker & Söhne, Vertriebs- und Verlagsgesellschaft mbH, Jever erschienen und wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Link: Friesland heutesiehe: Sprache Das sollte man über Friesen heute wissen Als ich Anfang der 70er Jahre einmal mit Dipl.-Ingenieuren einer großen Elektronikfirma in München verhandelte, stellte ich mit Verwunderung fest, dass nicht einer der Herren jemals die Nordsee, jemals Hamburg gesehen hatte. Auch als ein Reiseberichterstatter einer angesehenen Modezeitschrift die Insel Wangerooge zu den Halligen rechnete und sie in das Wattenmeer nach Husum verlegte, und als die Zeitung des größten Automobilklubs Deutschlands die Stadt Heide (Dithmarschen) in Ostfriesland ansiedelte, wollte ich den Unternehmen empfehlen, ihren Reiseberichterstattern einen Atlas zu schenken. Als noch der Karnevalspräsident von Mainz den Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein auf Ostfriesenwitze ansprach und im Schneewinter 1978/79 die Sprecher der Verkehrslage im Rundfunk fast die ganze Nordseeküste als Ostfriesland bezeichneten, kam in mir der Verdacht hoch, dass südlich der Vreschen Palen in Conneforde südlich der Stadt Varel/Friesland die Deutschen nur recht verschwommene Vorstellungen von den Friesen und ihren Stammessitzen im Norden haben. Neuere Geschichtsschreiber vergessen selten zu betonen, dass die Friesen kaum einen Großen der deutschen Geschichte hervorgebracht haben und dass es fast natürlich sei, sie zum Gespött der Deutschen von heute abzustempeln. Ihnen sei gesagt, dass Bewohner der Frieslande im Schutze ihres Landes vor der See, in der Urbarmachung riesiger Ödlandflächen und in der Kolonisierung menschenleeren Landes Unvorstellbares geleistet haben, in Deutschland, in Europa. und in Übersee. Das große Handelsfahrervolk der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends ist in deutschen Landen weniger bekannt als im übrigen Mitteleuropa. Die gewaltigen Kirchenbauten kleiner Wurtgemeinden lassen den Reichtum der Friesen dieser Zeit nur ahnen. Sie nahmen als kampfkräftige Kontingente auf eigenen Schiffen an den Kreuzzügen teil. Nur wissen das die Spötter nicht, ihnen wollte ich etwas Nachholunterricht geben, damit die Friesen, die nach dem Zeugnis unserer Geschichtslehrer eigentlich nur Bonifatius totgeschlagen hatten, in ein besseres Licht gerückt werden. Mit Geistesgrößen unter den Dichtern will ich nicht dienen, und die vielen Maler aus friesisch-flämischem Raum aufzuzählen, sprengt den Rahmen meiner Abhandlung, und dass die Friesen geachtete Geschichtsforscher und Philosophen hervorgebracht haben, wissen auch nur wenige Deutsche. Vorweg sei interessierten Bundesrepublikanern gesagt, dass es drei Frieslande gibt: Friesland der Niederlande (Westfriesen), Ostfriesland zwischen Ems und Weser (Ostfriesen) und Nordfriesland zwischen Eider und Tondern (Nordfriesen) mit den Helgoländern. Sie alle sollten sprachlich, kulturell und volklich auch einmal zusammen gesehen werden. Die Dänen tun das für ihre friesischen Mitbürger um Tondern durch ihre besonders aktive Mitarbeit im Nordfriisk Instituut in Bräist (Bredstedt), die Niederländer in ihrer Fryske Akademy zu Ljouwert (Leeuwarden) schon seit Jahrzehnten. Still, unermüdlich und segensreich stehen die Ostfriesische Landschaft in Aurich und die Oldenburgische Landschaft in Oldenburg dem friesischen Volkstum zur Seite. Römische Geschichtsschreiber, erste Missionare und die Verfasser der Lebensbeschreibungen deutscher Könige und Kaiser, Historiker und Volkskundler der neueren Zeit und am erfolgreichsten die Archäologen, hierbei die Terpenforscher in erster Linie, hellen das Dunkel um Herkunft und Geschichte der Friesen auf. Zu diesen Vorgenannten sollte vermehrt der Orts- und Flurnamenforscher treten. Der Schweizer Weiss sagt über die Flurnamen: „Die Flurnamen sind der normalen Sprach- und Kulturentwicklung entzogen. Sie sind gleichsam Versteinerungen, Zeugen einer versunkenen Welt. Sie werden getreu vererbt von Geschlecht zu Geschlecht durch die mit dem Boden verwachsene lokale Gemeinschaft.“ Vergessen werden sollten auch nicht die umfangreichen Landnahmegebiete der Friesen in Ostengland (um 450) und in der Mittelschweiz (um 1000), die heute nur noch durch Orts- und Flurnamenvergleich und Auswertung von Volkstum und Sage nachzuweisen sind. Über das Alter von Orts- und Flurnamen soll noch ein Experte aus neuester Zeit zu Worte kommen. Jens Reich, Professor für Biomathik, war bis zum 3. Oktober 1990 Abgeordneter des Bündnisses 90 in der Volkskammer. In der „Zeit“ Nr. 6 vom 1. Februar 1991 schreibt er: „Flurnamen überdauern Jahrtausende. Hartnäckig hält ein Volk an ihnen fest, und die Forscher rekonstruieren mit ihrer Hilfe die indoeuropäische Ursprache. An den Anfang gestellt Erstes Wissenswertes über die Friesen und die Frieslande erfahren wir von den Geographen der Alten Welt. Von den Geschichtsschreibern der Antike, insbesondere Tacitus, hören wir, dass zu Zeiten der Römer am linken Rheinufer die Friesen als östliche Nachbarn der Bataver bis an die Ems siedelten. Die Chauken waren dann die Nachbarn der Friesen bis an die Elbe. Wie tief in das Binnenland hinein Friesen wohnten, ist nicht genau festzustellen. Dass sie lediglich einen nur schmalen Streifen am Meeresgestade einnahmen, ist nach Auswertung der sprachlichen Hinterlassenschaft nicht anzunehmen. Die Deutung des Namens Friesen geht von am Wasser, am Rande Wohnenden bis zu Freya-Verehrern. Die Frisii der Frühzeit wohnen noch heute in den drei Frieslanden. Ihre Herkunft vor der Römerzeit ist nicht hinreichend geklärt. Über die Jahrzehnte seit dem 18. Jahrhundert hat man sich für eine Herkunft aus Nordfriesland stark gemacht, so wären sie die Nachkommen der Ambronen von den Geestinseln vor der nordfriesischen Küste, auch soll ein Reststamm im Eiderstedt-Bereich verblieben und zu Friesen geworden sein. Die neueste archäologische Forschung lässt die Vorfahren der Friesen aus der Geest von Drenthe (Provinz Hollands) in die Marsch abwandern. So die niederländische Meinung, doch wie kamen die Friesen nach Drenthe? Das Kernland der Friesen vor weiteren Landnahmen ist zwischen Altrhein und Ems gegen Ende der Römerherrschaft festzulegen. Die Niederländer, ungenau die Holländer, sind heute größtenteils Niederfranken, daneben Friesen. Zwischen 300 und 450 n. Chr. besiegten die Franken die Bataver und besetzten deren Wohngebiete. Die Bataver findet man bei Passau wieder. Von Nordosten drangen Sachsen ein. Das Kernland der Friesen, von dem sie zu weiterer Landnahme aufbrachen, glaube ich auf den Raum beiderseits des heutigen Ijsselmeeres festlegen zu können. Dieses im frühen Mittelalter nicht vorhandene Meer entstand erst in den vernichtenden Sturmfluten des Hochmittelalters. Nach Süden war Noord- und Zuid-Holland Friesenland und nach Osten das heutige Friesland (Provinz der Niederlande). Nach Verlust der beiden Hollande an die Grafen von Holland (N. Holl 1289) ist nur noch für kurze Zeit die Nordspitze Nordhollands friesisches Territorium.
Nach kämpferischem Rückzug vor den Grafen von Holland bleibt zuletzt das Land zwischen Ijsselmeer und der Lauwers (westlich Groningen) als Lebensraum bestehen. Das ist die heutige Provinz Friesland des Königreiches der Niederlande, in der noch 300 000 Friesen ihre Sprache behielten. Westfriesland, das ist das westerlauwerssche Friesland unserer Tage. Die Sachsen haben Drenthe und auch Groningen von Süden und Osten überrollt, dennoch reicht die Volkskraft der Friesen aus, um gegen 600 n. Chr. die Ems zu überschreiten und bis an und über die Weser zu kommen. Das Gebiet von der Lauwerssee bis an die Ems, die Provinz Groningen, weist eine hohe Zahl friesischer Orts- und Flurnamen auf, so dass an einer friesischen, zeitweisen Besiedlung nicht gezweifelt wird. Sie ist auch in der Terpenforschung genügend untermauert. Tacitus, der von den Friesen zwischen Rhein und Ems spricht, wird genügend Gewährsmänner unter den befragten Feldzugsteilnehmern gehabt haben. In nachtacitäischer Zeit der Wanderungen (5. Jahrhundert) wird unter Einbeziehung der Friesen dieses Raumes eine Stammesföderation der Sachsen im nordwestdeutschen Gebiet angenommen (Peter Schmid: „Die vor- und frühgeschichtlichen Grundlagen der Besiedlung Ostfrieslands nach der Zeitenwende“ in „Ostfriesland zum Schutze des Deiches“). Das heutige Stammeszentrum der westerlauwersschen Friesen ist die Provinz Friesland mit der Hauptstadt Ljouwert (Leeuwarden). Unter ihren Heerkönigen Radbod, Aldgisl und Poppo dringen friesische Heerhaufen bis über den Rhein in nun fränkisch gewordene Gebiete vor. Im Jahre 734 gelingt es Karl Martell, dem Nachfolger Pipins II., die Lauwers als Grenze fränkischen Einflußgebietes festzulegen. Karl der Große überschreitet die Lauwers nach Osten bis an die Ems und unterwirft östlich der Ems die Friesen und Sachsen. Im Jahre 802 wird auf dem Aachener Reichstag das friesische Volksrecht (Lex Frisionum) aufgezeichnet. Aus diesem Volksrecht erfahren wir, dass zu dieser Zeit ein Groß-Friesland von der Scheldemündung bis an die Weser reicht. Ostwärts der Weser werden dann Sachsen Nachbarn der Friesen. Wenn auch die Geschichtsquellen nicht gerade sprudeln, so erfahren wir auch über die Berichte der Missionare genügend über die Sitze der Franken, Friesen und Sachsen. Der Apostel der Friesen Willehad verstarb 789 in Blexen an der Weser, somit ist erkennbar, dass das Friesenland sich bis an die Weser erstreckte. Es war das Marschen- und Geestland, das sich bis an den Rand der Moore lehnte. Auf friesisch-übliche Grenzmarkierungen südlich der Friesischen Wehde (Wald- und Urwaldgebiet südlich von Varel/Friesland) und auf die Anwesenheit der Friesen im Ammerlande westlich der Stadt Oldenburg weist der Historiker Sello hin. Auch hier bleiben
spätere
territorial-historische
Eigenheiten, die besonders im Jeverlande bis heute wirksam sind,
unberücksichtigt.
Zu diesem Land der ostfriesischen Halbinsel treten die Landnahmen
ostwärts der
Ems nach Süden, das Saterland, das die saterfriesische Sprache
erhalten hat,
und das Land ostwärts der Weser. Die Terra Wordensis, das
heutige
Landwührden
südlich von Bremerhaven, ist nach von Richthofen,
Untersuchungen
II 1257, und
nach den Feststellungen des Historikers der Oldenburger, Georg Sello,
friesisches Gebiet. Auch das Land Wursten
nördlich von Bremerhaven ist von Friesen besiedelt worden. Zu
nennen ist hier
auch die Cometia Wischfrisonum am Ostrande des Dümmer Sees in
Südoldenburg
(begründet 1318). Das Ostfriesische ist als Sprache, nicht zu verwechseln mit dem Plattdeutschen der ostfriesischen Halbinsel, seit dem 16. Jahrhundert ausgestorben, doch enthält das ostfriesische Plattdeutsch und die Sprache des Jeverländers noch eine hohe Anzahl von friesischen Worten. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts sprachen nur noch wenige Wangerooger einen Dialekt der altfriesischen Sprache Ostfrieslands, deren älteste verstarben 1950 in Varel. Als Verwaltungseinheit besteht innerhalb des Landes Niedersachsen ein Kreis Friesland. Ein Teil des Ostens der ostfriesischen Halbinsel um Jever und Varel erhielt 1932 diesen Namen. Nordfriesland umfasst das Gebiet hart südlich der Eider bis in die dano-friesische Marsch Südjütlands. Ob dies das Ursprungsland der Friesen ist, wird seit einem Jahrhundert von Völkerkundlern, Heimatforschern und Friesenvereinen heiß diskutiert. Mancher Archäologe verneint den Ursprung der Friesen aus dem Ambronenlande, da sich aus dem Fundgut archäologischer Grabungen nichts Derartiges herauslesen lasse. Neueste Erkenntnisse, hierbei besonders die Dr. Bantelmanns (Wurtgrabungen Tofting und Elisenhof bei Tönning), sprechen jedoch von einem bäuerlichen Kern von Viehzüchtern an der Eidermündung, der das dünnbesiedelte Marschenland innerhalb des Inselwalles und des Festlandes in Besitz nahm, vielleicht im Verein mit Stammesbrüdern aus dem „Süden“. Dies geschah auch im Interesse dänischer Nordmänner, die an der südlichen Nordseeküste Fuß gefasst hatten. Ludwig der Fromme belehnte um 830 den Dänenprinzen Harald mit dem Gau Rüstringen an der Jade. Die Nordfriesen sind nach Angaben der Jahrbücher des Klosters Fulda im Jahre 857 in das heutige Nordfriesland gekommen. Die Sprache der Nordfriesen ist in mehreren Dialekten bewahrt, die noch heute von ca. 10 000 Einwohnern gesprochen wird. Zum Sprachgebiet gehört außerdem noch die Felseninsel Helgoland, auf der die Älteren noch heute ihr Hallun-Friesisch sprechen. Die alten Flurbezeichnungen der früher größeren Insel sind in überlieferten Flurkarten erhalten geblieben. Beim Zusammenschluss der früheren Kreise Husum, Eiderstedt und Südtondern (nach 1920 blieb nur noch der Südteil des Kreises Tondern beim Deutschen Reich) erhielt der neue Großkreis nach dem Zweiten Weltkriege den Namen „Nordfriesland“ innerhalb des Landes Schleswig-Holstein. Allfriesen-Kongress Die genannten drei Frieslande erstrecken sich an der Küste der Nordsee auf die Staatsgebiete dreier Staaten: Königreich der Niederlande, Bundesrepublik Deutschland und Königreich Dänemark. Nur die westerlauwersschen Friesen haben in ihrem Staate einen autonomie-ähnlichen Status mit Akademie, Bibliothek und einen Regionalsender „Radio FrisIon“, der die Eigenart, Sprache und Kultur der etwa 300 000 Westfriesen schützt. Die Fryske Akademy in Ljouwert (Leeuwarden), die Ostfriesische Landschaft in Aurich und die Oldenburgische Landschaft in Oldenburg sowie das Nordfriisk Instituut in Bräist (Bredstedt) vertreten die Anliegen der Friesen in den drei Staaten. Auf dem Allfriesen-Kongress, der abwechselnd in einem der drei Frieslande stattfindet, kommen Forscher und Sprecher gemeinsamer Belange zu Wort. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist es den Friesen vom Küstensaum, die Halluner der Insel Helgoland inmitten, gelungen, gemeinsame Stammesbande zu knüpfen und Wirksames gegen den Untergang friesischer Stammesart anzustreben. In der Sprachforschung ist das herausragende Ergebnis in der Vollendung der Wörterbücher der Einzeldialekte zu sehen. Pastor Carl Woebcken aus Sillenstede im Jeverland war im Jahre 1925 der Initiator und erste Einberufer zum Allfriesen-Kongress in Jever. Anliegen im Jahre 1991: Man will die Groninger im Kreis der Friesen aufnehmen. Literatur: Die Frieslande, Herausgegeben im Auftrag des Interfriesischen Rates von Thomas Steensen.Nordfriisk Instituut Nr. 187. 128 S., ISBN 3-88007-333-3, Neue ISBN 978-3-88007-333-3. Verlag Nordfriisk Instituut, Bräist/Bredstedt 2006, 14,80 € |
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Friesland
zum Anfang des 13. Jahrhunderts![]() Foto: Temmo Bosse Friesland im 17. Jahrhundert ![]() Karte aus der Kartensammlung der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden Das Siedlungs- und Sprachgebiet der Friesen ![]() Foto: Temmo Bosse |
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