| zur Startseite | ||
| Flegelbeer - reine Männersache |
||
|
In der Landwirtschaft wurde früher das Getreide noch von Hand mit einem Dreschflegel gedroschen. Wenn das gesamte eingefahrene Getreide gedroschen war (Herauslösen der Getreidekörner aus den Ähren), gab es auf dem Hof oder in einer Hofgemeinschaft ein Fest, ein Erntefest. Die schwere, anstrengende und staubige Arbeit war erledigt und sollte mit allen Beteiligten, Knechten und Mägden gefeiert werden. Es wurde gemeinsam gesungen, getanzt, gegessen und getrunken. Getrunken wurde vielfach Bier, das so genannte Flegelbier, auf niederdeutsch eben Flegelbeer. Mittlerweile hat die fortschreitende Technik mit Maschinen dieses Dreschen komplett abgelöst. Das Flegelbeerfest starb in alter Tradition aus und wurde als Brauchtum von einigen männlichen Dorfbewohnern in Oldorf und Wüppels, erstmals im Jahr 1880, als Dorffest ausgetragen. Es waren nun Männer in Gesangvereinen, die diesen Brauchtum pflegten. Gesang und Tradition stehen seitdem im Mittelpunkt. Es schlossen sich weitere Sänger aus den Orten Hohenkirchen, Tettens, Horumersiel und Waddewarden an. Die Carolinensieler Sänger kamen 1908 und die Sillensteder Sänger im Jahr 1952 hinzu. Im Jahr 2002 wurde der Shantychor Hooksiel aufgenommen. Es wird seitdem immer am zweiten Sonnabend im Januar eine Vorbesprechung für die Feier am zweiten Sonnabend im März abgehalten. Die Vorbesprechung war früher in Oldorf in der Gastwirtschaft „Oldorfer Baum“. Es gab, von der Wirtin gekocht, zum Essen Updrögt Bohnen (ostfriesisches Gericht mit getrockneten, besonders gelagerten Bohnen). Dabei wurden die Programmpunkte für das Fest besprochen und festgelegt und Lieder gesungen. Die Ausrichtung des Festes übernahmen reihum die Vereine. Als Sprache wurde plattdeutsch festgelegt, ebenso dass nur Männer zum Fest zugelassen sind. „Flegelbeer is Mannslüsaak“ – Flegelbier ist Männersache - heißt ein alter Wahlspruch. Eine Besonderheit stellte im Jahr 2004 der Auftritt von Frau Britta Frerichs da. Sie durfte zwei Lieder auf ihrem Akkordeon begleiten. Die Sänger haben das Motto: "Wi kamt tosamen un wi verstaht uns!". Übersetzt bedeutet das, wir kommen zusammen und verstehen einander. Ein weiteres Motto lautet: „All wat wi uns vertellt, müt nich wahr sin, künnt aber wahr sin.“ Das bedeutet übersetzt, alles was wir erzählen, muss nicht wahr sein, es kann aber wahr sein. Gefeiert wird auch unter dem Motto: „Lasst uns all die Mühen der vergangenen Zeit und die Auseinandersetzungen vergessen und gemeinsam bei diesem Fest in die Zukunft schauen.“ Der Versammlungsleiter ist vom veranstaltenden Verein der Flegel-Baas (Flegel-Meister) und eröffnet mit den oben genannten Worten das Fest. Dann hält er eine Rede, in der er das vergangene Jahr mit kritischen, meistens mit witzigen, amüsanten und auch schlüpfrigen Worten in Erinnerung holt. In Friesland werden solche Reden auch Döntjes (niederdeutsche Bezeichnung für eine kleinere, zumeist heitere, fiktive Erzählung oder tatsächliche Anekdote aus dem Alltag) genannt. Zwischendrin gibt es musikalische Einlagen und natürlich die Aufforderung zum Flegelbeer-Trinken: "Drinken laaten!" – Lasst die Gäste trinken. Diese Aufforderung des Leiters geht einher mit dem Schlagen des Flegels an das Bierfass und wird mehrfach am Abend vom Flegel-Baas wiederholt. Viele Teilnehmer sind bereits seit mehreren Jahrzehnten dabei, der Altersdurchschnitt steigt. Es wird immer schwieriger junge Männer zum Singen zu bewegen. Trotzdem kamen im Jahr 2009 über 200 Sangesbrüder zusammen. Ernst wird das Fest eigentlich nur bei der feierlichen Übergabe des Wanderflegels und einer Plakette vom abgebenden Verein an den Verein, der das nächste Fest austragen soll. Im Jahr 2009 war der Sängerbund MGV Eintracht Waddewarden Gastgeber, konnte das Fest aber wegen einer fehlenden Örtlichkeit nicht im eigenen Ort austragen und feierte so in der alten Molkerei in Horum. Der Flegelbaas Rainer Eiben fordert die Sänger und Gäste auf, miteinander und nicht übereinander zu reden. Nach Ansicht vom Flegelbaas ist das eher eine Sache der „Fronslü“ (Frauen). Auch sollen sich die „Flegelbeerfrünn’n“ (Flegelbeerfreunde) nicht auf Hoch-, sondern auf Plattdeutsch unterhalten. Denn, so warnt Eiben: „Sonst stirbt das aus!“ Teilnehmende Vereine: MGV Eintracht
Waddewarden - Grüß Gott mit hellem Klang - Dat Wannerleed - Seehundslied - Hinterm blauen Meer - Grüße von der Waterkant - Schnieder Wipp - Zwei Mädchen mit schwarzen Haaren - Nordseewellen - Dat Freesenleed - Min Jeverland - Dat Fleegelbeerleed - Im Krug zum grünen Kranze - Windjammer - Ein frisches Bier – eine junge Deern Fotos vom Flegelbeer 2003 in Sillenstede: Einige Sänger tragen ein Kopftuch und wollen sich so, wohl aus Spaß, als Frau ausgeben.
Hier einige Zeitungsartikel vom Flegelbeer am 16. März 2009 in Waddewarden: ![]() ![]() |
||
| externe
Links: (siehe Hinweis) |
||
zur Startseite |
||