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Boßeln |
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Boßelsport ist wie das Klootschießen eine typische
friesische Sportart und soll sich aus dem Klootschießen im 19.
Jahrhundert entwickelt haben. Boßeln bedeutet im Niederdeutschen soviel wie rollen. Video zum Boßeln Geboßelt wird allerdings nicht nur in den norddeutschen Küstenregionen, in der Oldenburger Gegend und in Schleswig-Holstein, sondern auch in den Niederlanden, in Irland und Italien und auch in einigen Gegenden in den USA; hier durch deutsche Auswanderer eingeführt. In Deutschland wird der Sport in Ostfriesland (einschließlich dem Landkreis Friesland), im Ammerland, im Oldenburger Land, in Dithmarschen, Nordfriesland, Osnabrück, Rothenburg an der Wümme, Stormarn, im Land Hadeln, in der Graftschaft Bentheim, im Emsland, in Teilen von Nordrhein-Westfalen, im Land Wursten, in der Gemeinde Lehre und auch im Osten von Braunschweig gespielt. Zudem wird die Boßeltradition von einem Butenjeveraner in Ottobeuren wach gehalten. Für das Boßeln ist im Gegensatz zum Klootschießen kein Frostwetter erforderlich, es kann zu jeder Jahreszeit ausgeübt werden. Ungeachtet dessen ist die übliche Saison für das Boßeln der Winter und der Beginn des Frühjahrs. Der Grund für die Wahl der Jahreszeit ist, dass im Winter die Gräben, die sich in Norddeutschland beiderseits der Boßelstrecken befinden, zugefroren sind und dies das Bergen der Kugeln vereinfacht. Neben dem leistungsmäßigen Boßeln wird dieser Sport auch als Breitensport und als Ausgleichsport betrieben. Daneben gibt es das gelegentliche Boßeln (siehe Butenjeveraner) in geselliger Runde für ein gemütliches Beisammensein oder auch im Rahmen einer Kohlpartie. Das Boßeln erfordert nicht diese eigene Technik wie das Klootschießen und hat daher eine besondere Verbreitung in der friesischen Bevölkerung. Wer Kegeln kann wird auch Boßeln können. Geboßelt wird im Freien auf einer Straße. Es werden gute Nebenstraßen, die wenig befahren werden, bevorzugt genutzt. Anders als beim Kegeln kommt es beim Boßeln darauf an die Boßelkugel möglichst weit zu werfen bzw. auf der Straße zu rollen. Es gilt die Kugel möglichst lange auf der Straße rollen zu lassen und die Strecke, das bedeutet unter anderem das Gefälle, die Kurven und Spurrillen, dabei optimal zu nutzen. Je besser der Werfer die Straßenbeschaffenheit kennt, umso weiter wird er werfen können. Ein Bahnwieser achtet auf die Beschaffenheit und gibt dem Werfer entsprechende Tipps zum Anwurf und Wurf. Unterschieden wird zwischen Standkampf und dem Wettkampf auf der Strecke. Der Standkampf ist weniger gebräuchlich und findet Anwendung z. B. bei Vereinsmeisterschaften, Preisboßeln oder auch beim friesischen Mehrkampf (Holz- und Gummiboßeln, Schleuderball, Weideboßeln sowie Klootschießen). ![]() links: Bosselstrecke von Nadorst
nach Sillenstede, rechts: Skulptur eines
Bosslers im Kurpark von Bensersiel/Esens
Wettkampf auf der Strecke Beim Wettkampf auf der Strecke boßeln zwei Mannschaften gegeneinander. Es wird dann auch vom Straßenboßeln gesprochen. Ziel des Spieles ist es die jeweilige Boßelstrecke mit möglichst wenigen Würfen zu durchschreiten. Die Mannschaft, die dafür die wenigsten Würfe benötigt, hat gewonnen. Bei gleicher Wurfanzahl wird das Spiel als unentschieden gewertet. Innerhalb der Mannschaften kann es Gruppen geben, die in unterschiedlichen Disziplinen (siehe unten) spielen. Die vorher festgelegte Strecke von ca. 7 km wird vom Einladenden ausgesucht. Dem Gegner wird der Anwurfpunkt, der Ort der Kugelaufnahme, das Wenden und sonstige Dinge mitgeteilt. Der Anlaufbeginn, der An- und Ablauf sowie der Abwurf und das Aufsetzen der Kugel haben innerhalb der Straßen-Leitpfähle, Baum- und Grabengrenzen zu erfolgen. Die Kugel darf nicht in den ersten fünf Metern ab der Abwurfstelle liegen bleiben. Sollte die Kugel vorher die Begrenzungen verlassen, ist der Wurf ungültig. Der nächste Wurf muss dann von der gleichen Stelle erfolgen. Der Gastgeber erhält das Vorrecht für den Anwurf und danach darf der Gast werfen. Die weiteren Abwürfe erfolgen an den Stellen, wo der Ausrollpunkt der Kugel ist oder aber die Kugel die Begrenzung verlassen hat. Die Mannschaft, deren Kugel zurück liegt, darf im weiteren Verlauf zuerst werfen. Wenn es nun dieser Mannschaft nicht gelingt an der gegnerischen Kugel vorbei zu werfen, erhält der Gegner einen Schoet. Die Aufnahmepunkte der Kugeln und die Wiederanwurfstellen sind zu markieren. Sobald von der führenden Mannschaft die Kugel die Wende- oder auch Zielmarkierung überschritten hat, darf die zurückliegende Mannschaft nicht mehr werfen. Im Wendefall wird "umgeholt", das heißt die Mannschaften tauschen die Abwurfstellen. Gewinner ist die Mannschaft mit den meisten Schoet bzw. bei gleicher Schoet-Anzahl die Mannschaft mit dem weitesten Wurf über die Ziellinie. Dieser Unterschied wird in Metern gemessen. Wettkämpfe werden leistungsmäßig nicht nur auf Kreis-, Bezirks- oder Verbandsebene betrieben, sondern auch national und international ausgetragen. So gibt es Einteilungen in Disziplinen unter anderem mit der Holzkugel, der irischen Eisenkugel oder auch mit der Gummikugel. Während früher dieser Sport eine männliche Domäne war, spielen seit den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts auch Frauen und Kinder diesen Sport. Boßeln ist eine Sportart für jede Altersklasse. Einteilung in Ostfriesland Kunststoffkugel Gummikugel Jugend D und C 10 cm/710g 9,5 cm/780g Jugend A und B 11 cm/950g 10,5 cm/1100g Frauen I bis IV Männer I bis IV 12 cm/1220g 10,5 cm/1100g Standkampf Der Standkampf findet als Einzelwettbewerb statt. Bei Einzelmeisterschaften, die von den Kreis- und Landesverbänden durchgeführt werden, wird diese Art des Boßelns bevorzugt. Dabei hat jeder Werfer 10 Würfe, die er hintereinander auf einer Strecke wirft. Der Werfer, der nach Ablauf der 10 Würfe die meisten Meter erzielt hat, hat gewonnen. Kugeln In den Anfängen vom Boßeln wurden Pockholzkugeln verwendet. Es handelt sich um ein schweres und hartes Laubholz, welches sehr widerstandsfähig gegen Abnutzung ist. Die Bäume stammen überwiegen aus Süd- und Mittelamerika und Westindien; die Ausfuhr unterliegt nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen der Handelsüberwachung. Mittlerweile kommen jedoch auch Kugeln aus Gummi und Kunststoffen zum Einsatz. Im Friesischen Klootschiesser Verband ist nur noch die Kunststoffkugel zulässig. Besonderheiten sind die etwas kleinere Hollandkugel und die ca. 800g schwere Eisenkugel aus Irland. Übliche Kugeln in Ostfriesland kosten zwischen 30 bis 45 Euro. Besonderes Pockholz hat eine höhere Dichte als Wasser und so versinken die Kugeln des Öfteren im Wasser der Straßengräben. Dafür gibt es ein spezielles Gerät, den sogenannten Kraber. Es handelt sich um eine Stange an dessen einem Ende ein Kork montiert wurde. Damit wird im Straßengraben nach der Kugel gesucht, um diese dann aufzunehmen. Weitere Besonderheiten in Form eines Glossars finden Sie hier. Wurftechnik Grundsätzlich ist Genauigkeit sehr wichtig. Für Spitzensportler in dieser Sportart ist Kraft und Athletik eine Grundvoraussetzung. Es gibt drei bekannte Wurftechniken: 1 - Gerade aus der Hand: wird bei Strecken ohne Gefälle angewendet, 2 - Über die Finger: die Kugel wird über den kleinen Finger geworfen und der Unterarm ist zum Körper gedreht – die Kugel erhält bei Rechtshändern einen Linksdrall, 3 - Über den Daumen: Kugel wird über den Daumen geworfen und der Unterarm ist zum Körper weggedreht - die Kugel erhält bei Rechtshändern einen Rechtsdrall. Im Niederdeutschen heißt das dann: liek ut Hand, över d´ Finger und över d´ Duum. Im Allgemeinen wird ein Anlauf von ca. 20 m genommen. Die Kugel wird dabei in der Hand gehalten und beim Abwurfpunkt geworfen. Während des Anlaufes wird die Geschwindigkeit gesteigert und der Wurfarm senkrecht am Körper gehalten. Vor dem Absprung beginnt der Werfer mit dem Wurfarm zu pendeln. Unmittelbar vor dem Abwurf wird der Wurfarm nach hinten bewegt um Schwung für den Abwurf zu holen. Mit großer Geschwindigkeit und viel Kraft wird dann im Moment des Absprunges die Kugel geboßelt. Am 25. Mai 1902 war die Gründung des Friesischen Klootschießerverbandes (FKV). Diesem Verband liegen nicht nur der Friesensport am Herzen, sondern auch die Verbindung zur Heimat, die Pflege und der Erhalt friesischer Sitten und Gebräuche und der niederdeutschen oder plattdeutschen Muttersprache. Es gibt den Spruch: „Der Friese lernt zuerst das Laufen und dann das Boßeln“. Einige einfallsreiche Vereinsnamen: - “Lot hum susen” - Lass ihn sausen - “Hoog herut” - Hoch heraus oder hoch hinaus - “Liek ut Hand” - Gerage aus der Hand - “Good Trüll” - Gutes Rollen - „He löpt noch“ - Er läuft noch - „Lat hum lopen” - Lass ihn laufen Hier ein kleines Glossar für Interessierte und hier geht es zum Bossel-Diplom Artikel im Jeverschen Wochenblatt vom 19. März 2009:
Einladung zu einem Boßel-Turnier mit anschließendem Kohl- und Pinkelessen im "Allgäu" im Jahr 2010 |
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| externe Links: (siehe Hinweis) Ein Volks- und Leistungssport - friesische Sportart Friesischer Klootschießerverbandes Klootschießen.de friesensport Internationaler Bowlplaying Verbandfriesensport |
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