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| Beiern ist eine alte Tradition, ein über mehrere hundert Jahre gepflegter Brauch in der Stadt Schortens an der St. Stephanus Kirche. Glockenläuten in Schortens; beim Beiern werden die Kirchenglocken von Hand durch die sogenannten Beierleute angeschlagen. Im Glockenturm wird der Klöppel der Glocke gegen die feststehende Glocke geschlagen. In Schortens erfolgt das in einem bestimmten Rhythmus, zunächst leise, dann immer kräftiger und lauter, am Ende zwei kräftige Schläge und dann von vorne beginnend. Im Glockenturm von Schortens befinden sich drei Glocken und um zu erreichen, dass nur eine Glocke laut erklingt, werden die Glocken zeitlich versetzt angeschlagen. ![]() Die Kirche mit Friedhof und Glockenturm Es erfolgt auch ein elektrisches Läuten im zehnminütigen Wechsel mit dem Beiern. In früheren Zeiten glaubte man, das Beiern vertreibe die bösen Geister. Anfangs wurde es durch Jugendliche ausgeübt, die dafür ein Traktament, eine Verpflegung, etwas zu Essen und zu Trinken bekamen. Schriftlich erwähnt ist in Schortens das Beiern im Jahr 1862. Der Kirchenrat beschloss, wegen zunehmenden Unfugs der Jugendlichen das Beiern nur noch von Kirchenmitarbeitern und Nachbarn durchführen zu lassen. Nach einer Unterbrechung im 2. Weltkrieg wurde das Beiern 1947 vom verstorbenen Kirchenältesten Hans Wilhelm Grahlmann wieder aufgenommen und gepflegt. Heute wird das Spiel von fünf Beierleuten gepflegt, wobei die Familie Peters dieser Tradition bereits in der sechsten Generation nachgeht.
![]() links: die Beierleute steigen hinauf zum Glockenstuhl, rechts: Vorbereitung zum Beiern (Fotos von Alice Düwel) Im westlich von der St.-Stephanus-Kirche stehendem Glockenturm geht es über 45 Stufen hinauf zum Glockenstuhl zu den drei Glocken, jeweils eine in Süd-, West- und Nordrichtung. Der Klöppel der Südglocke wiegt ca. 95 kg und so zeigt dieses Beispiel, dass Beiern eine sehr anstrengende und kraftaufwendige Angelegenheit ist. Wegen der direkten Nähe zu den Glocken ist ein Gehörschutz unbedingt notwendig. ![]() Die westlich hängende Glocke im Glockenstuhl (Foto von Alice Düwel) Heutzutage wird in Schortens zu folgenden Zeiten gebeiert: Heiligabend: 17.00 bis 18.00 Uhr, vor dem letzten Gottesdienst, in Abhängigkeit von der Gottesdienstplanung Silvester: 17.00 bis 18.00 Uhr Früher wurde noch am 1. Weihnachtstag in der Zeit von 7.30 bis 8.00 Uhr gebeiert. Das Beiern am 1. Weihnachtstag war für die im Stall tätigen Bauern in der Nachbarschaft gedacht. Da inzwischen in unmittelbarer Nachbarschaft keine und in der weiteren Umgebung nur noch vereinzelt Bauern ansässig sind, wurde das Beiern am 1. Weihnachtstag eingestellt.
![]() Beierleute
beim Beiern (Fotos
von Alice Düwel)
Zu Sylvester kommt der Bürgermeister der Stadt Schortens und bedankt sich bei den Beierleuten, übermittelt die Grüße der politischen Gemeinde und bringt eine Flasche Glockenschmeer mit. Die Glockenschmiere ist, wie man sich wohl denken kann, nicht für die Glocken, sondern für die Kehlen der Beiersleute gedacht. Im neuen Jahr wird zusammen mit den Ehefrauen bei einem gemütlichen Beisammensein davon gekostet. Allgemein: Das Beiern steht im Gegensatz zum üblichen Läuten der Glocke durch Schwingen. Eine Melodie wird je nach der Anzahl der vorhandenen Glocken mit dem Klöppel erzeugt. Dabei werden die Klöppel über Seilzüge per Hand oder Fuß gegen den Schlagring, der dicksten Stelle der Glocke, geschlagen. Auch andere Schlaghilfen wie Holzhämmer können dabei zum Einsatz kommen. Geschichte: Im Nordwesten von Europa hat das Beiern eine jahrhundertalte Tradition. In Deutschland wird diese Tradition besonders im Rheinland gepflegt. Dort gibt es viele Dörfer mit einer eigenen, mittlerweile schon traditionellen Melodie, die auch durch Beier-Verse begleitet werden. Vielfach haben diese Verse auch einen spöttischen Charakter. Gegenwärtig wird dieser Brauch auch wieder dort gepflegt, wo er zwischenzeitlich eingeschlafen war. Gebeiert wird in Deutschland für gewöhnlich zu hohen Kirchen- oder Dorffesten, wie z. B. Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Fronleichnam, Kirchweih, Patronatsfest, Schützenfest. In Russland werden Kirchenglocken oft mit der Beier-Methode zum Klingen gebracht, in England nennt sich das Change-Ringing - Wechselläuten. in Spanien wird in der Kathedrale von Valencia gebeiert und seit 2006 gibt es Beiern auch in Österreich, in Neumark im Mühlkreis. Das Beiern gilt aus kulturgeschichtlicher Sicht als Vorläufer des besonders in den Niederlanden im 17. Jahrhundert hochentwickelten Beiaard, des Glockenspiels. Beiern stammt ab von dem Altfranzösischen Wort baier. Es bedeutete Bellen oder Anschlagen. Im Englischen steht es in erweiterter Verwandtschaft zu dem Wort bell für Glocke. Die Glocken wurden geschichtlich früh erfunden und sind die größten und verbreitetsten Musikinstrumente im Freien. Es handelt sich um ein selbsttönendes Instrument mit einer charakteristischen Hauben- oder Kelchform. Sie hatten eine religiöse Bedeutung und sollten die bösen Geister vertreiben und die guten anlocken und so den Ort schützen. Sie wurden auch als Signalgeber, zum Beispiel als Alarmglocken verwendet. In den Klöstern wurden ab dem vierten Jahrhundert die Mönche mit Glockengeläut zum täglichen Gebet und zum Gottesdienst gerufen. Das Glockenläuten wird auch heute noch als Einladung zum anstehenden Gottesdienst benutzt. Carillon: Eine andere Form des Glockenläutens und eine Weiterentwicklung stellt das Carillon, die französische Bezeichnung für ein Turmglockenspiel, dar. Üblicherweise befindet sich ein Carillon in einem Turm und hat chromatisch oder diatonisch gestimmte Glocken, die mittels einer Klaviatur gespielt werden. Daneben gibt es die mechanische Spielweise durch eine Walze oder mittels einer elektronischen Steuerung. Das Carillon hat im Allgemeinen oberhalb vom Turm eine Kabine, in der ein Carillonneur an einem Stockspieltisch mit Händen und geballten Füßen spielt. So ist ein nuanciertes Spiel mit allen dynamischen Abstufungen zwischen laut und leise möglich. Ein Carillon steht in Berlin-Tiergarten in der Nähe der Regierungsgebäude, neben dem Haus der Kulturen der Welt. Dort finden mehrfach im Jahr Konzerte vom Carillionneur Jeffrey Bossin statt, und zwar in der Zeit von Mai bis September, jeden Sonntag und an Feiertagen um 15.00 Uhr. Konzerte zu anderen Zeiten finden sich auf www.carillon-berlin. Computergesteuert spielt das Carillon zweimal täglich für 5 Minuten um 12:00 und 18:00.
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Links: (siehe Hinweis) St. Stephanus Kirche |
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